PROGRAMM
VERNETZUNGSTREFFEN
»(Un)Sichtbarkeit in der Erinnerungskultur«
10:30–14:30 Uhr | Altonaer Museum
für erinnerungskulturelle und -politische Akteur*innen
Lange galt Sichtbarkeit im erinnerungspolitischen Kontext als ausschließlich steuerbar – über Lehrpläne, Museen, staatliche Gedenktage und Förderungen. Wer erinnert wird und wie, schien institutionell festlegbar, Erinnerung als top-down organisiertes Gut. Dieses Modell ist überholt. Sichtbarkeit funktioniert heute fundamental anders. Social Media ermöglicht es jeder*jedem, Inhalte zu produzieren, zu kuratieren, Aufmerksamkeit zu generieren. Sichtbarkeit lässt sich – auch trotz entsprechender Versuche – nicht mehr zentral kontrollieren: Sie entsteht dezentral, dynamisch, in kollaborativen Prozessen.
Diese Dezentralisierung des Erinnerns wirkt disruptiv. Sie erweitert die Erinnerungskultur durch neue Stimmen und Perspektiven, wirft aber auch Fragen nach Expertise und Legitimität auf. Wer entscheidet, welche Geschichten relevant sind? Welche Narrative gelten als verlässlich?
In dieser veränderten Landschaft wird Erinnerung nicht mehr allein institutionell gesteuert – sie muss von Communities selbst reflektiert und verantwortet werden.
Das erfordert neue Kompetenzen: Communities brauchen die Tools, Skills und das Wissen, um Erinnerung aktiv zu gestalten. Sichtbarkeit wird so zu einem kollaborativen Prozess, der über bloßes Teilen hinausgeht – als Cross-Community Sharing, bei der Expertise, technische Ressourcen und Reichweite zwischen unterschiedlichen Gruppen ausgetauscht werden. Erinnerung wird zu einem lebendigen, vernetzten Prozess, der von vielen getragen wird.
In dieser Vernetzung liegt das Potenzial für eine inklusive, partizipative und selbstbestimmte Erinnerungspolitik – ein Raum, in dem Sichtbarkeit nicht verordnet, sondern gelebt, reflektiert und geteilt wird. Gemeinsam möchten wir erarbeiten, welche konkreten Tools diese neue Sichtbarkeit stützen können, welche Risiken bedacht werden müssen, welche Ressourcen benötigt werden.
Moderation: Avra Emin
GEDENKZEREMONIE
»Achtsam erinnern: Châu & Lân«
15:30–16:30 Uhr | Altonaer Museum
Wir laden zu einer buddhistisch geprägten Gedenkzeremonie im Altonaer Museum ein. Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân waren zwei junge vietnamesische Geflüchtete, die 1980 in einer Unterkunft in der damaligen Halskestraße in Hamburg Billbrook bei einem rassistisch motivierten Brandanschlag von Neonazis ermordet wurden, einer der frühen rechtsterroristischen Morde in der Bundesrepublik.
In Anwesenheit des Ehepaares Thi Kim Thoa Ngu und Thoi Trong Ngu, Überlebende des Anschlags, halten wir in gemeinsamer Achtsamkeit inne, erinnern an das Leben von Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân und gedenken ihrer.
DML-ERÖFFNUNG
»Nước Đức. Vietnamesisch-Deutsche Migrationsgeschichte(n)«
18:00–20:00 Uhr | Altonaer Museum
Mit Dan Thy Nguyen, Nina Reiprich, Nhi Le und Minh Duc Pham
Musikalische Begleitung durch das Lotus Ensemble
(Öffentliche Veranstaltung)
Im Altonaer Museum eröffnen wir im Rahmen des Festivals das Dynamic Memory Lab „Nước Đức“ in Anwesenheit der Kurator*innen Dan Thy Nguyen und Nina Reiprich. Die Ausstellung untersucht, wie Geschichte erinnert und erzählt – aber auch verdrängt und verschwiegen wird. Im Zentrum stehen die Erfahrungen der vietdeutschen Community zwischen Flucht und Vertragsarbeit, zwischen Nord- und Südvietnam, Ost- und Westdeutschland, zwischen Gewaltgeschichte und Selbstermächtigung. Nach ersten Stationen in Rostock und Chemnitz ist das DML vom 11. März bis 7. Juli im Altonaer Museum zu sehen.