Damals verschleppt – heute nicht vergessenrestag des Überfalls auf die Sowjetunion

Gottesdienst
22. Juni 2011
18:00 - 00:00 Uhr
Ort: Friedhof Herrmannstraße 84, Berlin
Veranstalter: Evangelische Landeskirche

Gedenkgottesdienst für kirchliche Zwangsarbeiter am 70sten Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion


Am 70. Jahrestag des deutschen Überfalls, am Mittwoch dem 22. Juni 2011 um 18.00 Uhr findet  ein Gedenkgottesdienst für kirchliche Zwangsarbeiter statt. 

Die Evangelische Landeskirche und die Kirchengemeinden, die sich der Zwangsarbeiter für die Arbeit auf ihren Friedhöfen bedienten, erinnern damit an die Schuld der Kirche und an die Leiden der Opfer. 

Der Gottesdienst findet am früheren Standort des kircheneigenen Lager auf dem Friedhof der Jerusalem und Neuen Kirchengemeinde in der Neuköllner Hermannstr. 84-90 statt. Es predigen Pröpstin Friederike v. Kirchbach und Generalsuperintendent im Ruhestand Martin-Michael Passauer. 

Im Anschluss an den Gottesdienst findet im Ausstellungspavillon auf dem St. Thomas Friedhof ein Gespräch mit Wladimir Tkalitsch, dem Sohn eines ehemaligen Zwangsarbeiters statt.

Die Friedhöfe liegen nahe U-Bhf Leinestr. oder S-Bhf Hermannstr. Einige Sitzgelegenheiten  für den Gottesdienst sind vorhanden.

Vor Beginn des Gottesdienstes besteht an diesem Tag ab 15.00 Uhr die Möglichkeit zur Besichtigung der Ausstellung über das Lager der Kirche und die NS- Zwangsarbeiter auf Berliner Kirchhöfen im Pavillon auf dem St. Thomas- Friedhof, Hermannstr. 179-185 . 

Um 16.00 Uhr findet eine Führung durch die Ausstellung und über die Gedenkstätte statt.    

Das Lager befand sich mit eigenem Eingang am hinteren Ende des Friedhofs, den Blicken der Friedhofsbesucher entzogen. Auf dem langen Weg vom Eingangsportal zum Lagerstandort sind am 22.6. an vier Stationen Texte von Zeitzeugen aus unterschiedlichen Perspektiven, von Opfern und Tätern, aus Deutschland und Russland zum Krieg 1941- 45 zu hören. Sie stimmen ein auf die Zeit und die Dimensionen der Schuld, zu der sich die evangelische Kirche, in der NS -Zeit zerrissen und zerrieben, seit 1945 zögernd und unzureichend, aber doch zunehmend konkreter und immer stärker den Opfern zugewandt heute bekennt. 

Zum Hintergrund: 

Als am 22. Juni vor 70 Jahren Nazi-Deutschland die Sowjetunion überfiel, gab es kirchliche Stimmen, die dies freudig begrüßten. Nach wenigen Monaten waren weite Teile des Landes besetzt. Schon bald wurden Zivilisten massenhaft zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Im Sommer 1942 trafen die ersten von bald 100 „Ostarbeitern“  in dem Berliner Zwangsarbeitslager ein, das Kirchhofsgemeinden auf dem Friedhof der Jerusalemer und Neuen Kirchengemeinde in Neukölln errichtet hatten und fortan in vorgeschriebener Zusammenarbeit mit der Gestapo betrieben. 

 Der Verantwortung, die aus dieser Schuld erwächst, stellt sich seit zehn Jahren die AG NS-Zwangsarbeit Berliner Evangelischer Kirchengemeinden unter Leitung des Berliner Generalsuperintendenten. Sie bereitet den Gottesdienst mit vor und lädt dazu ein.