Der deutsche Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion – Massenmord nach Plan

Vortrag/Vorlesung
4. November 2011
19:30 - 00:00 Uhr
Ort: Tourist-Information Weimar (Markt 10)
Veranstalter: Gedenkstätte Buchenwald

Der Krieg gegen die Sowjetunion wurde als Rassen- und Weltanschauungskrieg lange geplant. Er war daher Hitlers „eigentlicher“ Krieg. Was bei der Besetzung Polens 1939 noch Erprobung war, wurde beim Überfall auf die Sowjetunion 1941 in vorab erlassenen Grundsatzbefehlen festgelegt und arbeitsteilig mit Wirtschaftsstab Ost, SS-Einsatzgruppen und Polizeibataillonen exekutiert. Orientiert an einer Maßzahl von 30 Millionen sowjetischer Opfer praktizierte die Wehrmacht vom ersten Tag an einen todbringenden Umgang mit den Kriegsgefangenen, führte mit der Erschießung der Kommissare den Gefangenenmord auf dem Schlachtfeld ein, beteiligte sich mit der Ausplünderung der Zivilbevölkerung am Hungertod von Millionen und schuf die Voraussetzungen für die Erfassung und Ermordung der Juden durch SS und Polizei. Der Vortrag geht der Frage nach, wie diese Verbrechen, die 27 Millionen Menschen das Leben kosteten, von der Wehrmacht ohne Skrupel und widerstandslos durchgeführt werden konnten.


Hannes Heer, Jg. 1941, lebt als Historiker, Publizist und Ausstellungsmacher in Hamburg. Er studierte Geschichte und Literatur in Bonn, Freiburg und Köln. 1968 legte er das Erste Staatsexamen ab, erhielt aber wegen seiner Aktivität im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) keine Zulassung als Referendar zum Schuldienst. Nach einem Aufbaustudium, Lehraufträgen und Forschungsprojekten arbeitete er 1980 bis 1985 als Dramaturg und Theaterregisseur. 1985 bis 1992 drehte er Dokumentarfilme für ARD und ZDF. 1993 bis 2000 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung und Leiter des Ausstellungsprojektes „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“. 1997 wurde ihm die Carl-von-Ossietzky-Medaille verliehen. Neben der Beteiligung an weiteren Ausstellungsprojekten veröffentlichte er zahlreiche Publikationen, darunter jüngst (Hg. zus. mit Walter Manoschek, Alexander Pollak und Ruth Wodak) Wie Geschichte gemacht wird. Zur Konstruktion von Erinnerungen an Wehrmacht und Zweiten Weltkrieg, Wien 2003; Vom Verschwinden der Täter. Der Vernichtungskrieg fand statt, aber keiner war dabei, Berlin 2004; „Hitler war‘s“. Die Befreiung der Deutschen von ihrer Vergangenheit, Berlin 2005; (Hg. zus. mit Jürgen Kesting, Peter Schmidt) Die Vertreibung der „Juden“ aus der Oper 1933 bis 1945, Ausstellungskataloge, Berlin 2008, 2009, 2011.

Eintritt frei