Nordhausen, 29.10.2026 – Anlässlich des Jahrestags der Novemberpogrome lädt die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora zur Buchvorstellung mit dem Historiker Stephan Lehnstaedt. Auch in Nordhausen hatte ein antisemitischer Mob in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 die Synagoge am Pferdemarkt gebrandschatzt, jüdische Geschäfte geplündert und dutzende Jüdinnen und Juden aus der Stadt ins KZ Buchenwald verschleppt – ein Vorbote des Holocaust. In seinem 2025 erschienenen Buch räumt Historiker Lehnstaedt mit dem Bild passiver jüdischer Opfer auf: Zehntausende Jüdinnen und Juden wehrten sich gegen Verfolgung und Ermordung. Neben dem bekannten Aufstand im Warschauer Ghetto 1943 beschreibt er Widerstand in Untergrundorganisationen, Ghettos sowie Konzentrations- und Vernichtungslagern. Die Spanne reicht vom Partisanenkampf über Rettung und Informationsweitergabe bis zur Selbstbehauptung. Anhand zahlreicher Biografien, auch von Frauen, zeigt er, wie vielfältig dieser Widerstand war. Die Buchvorstellung findet am 5. November 2026 um 18 Uhr in der Hochschule Nordhausen (Haus 34, Raum 31) und ist ein Beitrag zum Jahresthema „Widerstand“ der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora statt. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.
Stephan Lehnstaedt ist Historiker und Professor für Holocaust-Studien und Jüdische Studien an der Touro University Berlin. Nach seiner Promotion 2008 zum Besatzeralltag in Warschau und Minsk habilitierte er sich 2016 an der TU Chemnitz mit einer vergleichenden Studie zur imperialen Polenpolitik der Mittelmächte und NS-Deutschlands in den beiden Weltkriegen. Er war unter anderem am Institut für Zeitgeschichte München und am Deutschen Historischen Institut Warschau tätig. Zudem engagiert er sich in der deutschen und polnischen Gedenk- und Erinnerungskultur und kuratiert Ausstellungen im Raum Berlin. Das KZ Mittelbau-Dora steht exemplarisch für die Geschichte der KZ-Zwangsarbeit und der Untertageverlagerung von Rüstungsfertigung im Zweiten Weltkrieg. Heute ist die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora in Nordhausen ein international bedeutender Bildungs- und Gedenkort. Sie wird jährlich von etwa 60.000 Menschen besucht und ist Teil der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora mit Sitz in Weimar.