70 Jahre nach dem deutschen Überfall auf Polen erinnert die Ausstellung, die im Industriehof der Gedenkstätte Sachsenhausen gezeigt wird, an die Verfolgung der polnischen Minderheit in Deutschland durch die Nationalsozialisten. Bei Kriegsausbruch wurden bis zu 2.000 Mitglieder des Bundes der Polen von der Gestapo verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. Die Organisationen der polnischen Minderheit wurden verboten und enteignet. Damit gehören die Funktionäre der polnischen Verbände in Deutschland zu den ersten Opfern des Zweiten Weltkriegs.
Mit zahlreichen Fotos, Dokumenten und Medienstationen widmet sich die Ausstellung einer Opfergruppe, deren Schicksal bisher kaum bekannt ist. Sie zeichnet die Geschichte der polnischen Minderheit in Deutschland nach, die mit der Aufteilung Polens zwischen den Großmächten Russland, Österreich und Preußen im 18. Jahrhundert begann. Trotz oder gerade wegen der Polenfeindlichkeit und Diskriminierung entwickelte die polnische Bevölkerung in Preußen und nach 1871 im Kaiserreich ein vielfältiges Kultur- und Vereinsleben. Am 27. August 1922 wurde in Berlin der Bund der Polen in Deutschland als Dachorganisation der polnischen Minderheit gegründet.
Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Zeit des Nationalsozialismus. Vom Abschluss des Nichtangriffsvertrags mit Polen 1934 bis zur Jahreswende 1938/39 gab sich die nationalsozialistische Politik gegenüber der polnischen Minderheit gemäßigt. Noch am 6. März 1938 konnte der Bund der Polen in Deutschland im Berliner Theater des Volkes einen großen Kongress veranstalten, an dem 5.000 Vertreter polnischer Minderheitsorganisationen teilnahmen. Etwa ab Mitte 1938 begannen die Repressalien gegen die polnische Minderheit, die bereits kurz vor dem Überfall auf Polen in Verfolgung und Terror übergingen.
Die Ausstellung zeigt außerdem die biografischen Schicksale von sechs Frauen und acht Männern, die als Aktivisten der polnischen Minderheit in Deutschland von den Nationalsozialisten in die Konzentrationslager Sachsenhausen oder Ravensbrück verschleppt wurden. Vor allem im Strafkommando "Klinkerwerk" des KZ Sachsenhausen kamen viele von ihnen im Winter 1939/40 ums Leben. Schließlich gibt die Ausstellung einen Ausblick auf das Schicksal der polnischen Minderheit in Deutschland nach 1945. Der Bund der Polen wurde 1950 in Westdeutschland reaktiviert und existiert bis heute. Sein Sitz ist das Polnische Haus (Dom Polski) in Bochum. Die nationalsozialistische Unterdrückung der polnischen Minderheit während der Jahre 1933 bis 1945 stellte eine tiefe Zäsur im Leben der polnischen Gemeinde dar, die bis heute nachwirkt.
Die zweisprachige Ausstellung wurde von dem Verein NIKE Polnische Unternehmerschaft und der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten erarbeitet und wird von der Kulturstiftung des Bundes, dem polnischen Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten, der Botschaft der Republik Polen in Berlin und dem polnischen Rat zum Schutz der Erinnerung an Kampf und Martyrium gefördert.