Dieter Wellershoff macht 1994 eine Kur in Bad Reichenhall, wo er als verwundeter Soldat den letzten Kriegswinter im Lazarett verbrachte. Er erinnert sich, wie er als junger Soldat, der sich freiwillig gemeldet hatte, die letzten beiden Kriegsjahre erlebte und überlebte. Sein Erinnerungsprozess führt ihn u.a. zurück ins besetzte Holland, an die Ostfront, wo er verwundet wird und dem Untergang seiner Kompanie gerade noch entkommt. Lazarettaufenthalte folgen, dann noch einmal die letzte deutsche Frontstellung an der Oder im Frühjahr 1945 und die Flucht nach Westen in amerikanische Gefangenschaft. Den äußeren Schauplätzen des Krieges steht die Gedanken- und Gefühlswelt eines jungen Menschen gegenüber, der erschütternde Erfahrungen macht, die er mit großer Aufmerksamkeit und unsentimentaler Genauigkeit registriert. So entsteht ein außergewöhnliches Kriegsbuch mit doppeltem Blick – aus unmittelbarem Erleben und Reflexion, Überwältigung und historischem Überblick. Dieter Wellershoff, Jg. 1925, Schriftsteller, lebt in Köln.