„Ein Täter in der Familie?“

23. Oktober 2010
10:30 - 16:30 Uhr
Ort: KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Veranstalter: KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Was es heißt, einen NS-Täter in der eigenen Familie zu haben und gemeinsam auf die Suche nach unliebsamen Wahrheiten zu gehen, dieser Frage haben wir in bisher drei offenen Gesprächsseminaren nachgespürt. Teils gemeinsam, teils in Arbeitsgruppen, tauschten sich die Teilnehmenden über Täter/innen in der Familie aus. Auch reflektierten wir über die Frage, was Täter sind im Unterschied zu Mitläufern und Zuschauern, und wie wir das bewerten können, was unsere Großeltern und Eltern getan haben. Im Zentrum standen das Verhalten der nächsten männlichen und weiblichen Verwandten sowie die persönlichen Konfrontationen mit der Täterschaft von Eltern und Großeltern. Wir sprachen darüber, warum in Familienerzählungen die Verbrechen und das Wissen über die Taten im Nationalsozialismus so vage bleiben. Und wir tauschten uns darüber aus, wie wir bei der Recherche in unseren Familien vorgehen können, was unsere Nachforschungen in der Familie auslösen können und wie uns die Familiengeschichte geprägt hat. Zuletzt widmeten wir uns der Frage nach dem Umgang mit dem geistigen Erbe von Täter/innen.

Im vierten Gesprächsseminar zu Täterschaften wollen wir uns mit der Frage befassen, mit welcher Perspektive Täternachkommen auf Opfer des Nationalsozialismus schauen und was sie von den Opfern und deren Kindern/Enkeln erwarten. Es wird thematisiert, wie Nachkommen der Opfer mit dem Nationalsozialismus umgehen und welche Spuren er in ihrem Leben hinterlassen hat. Die Unterschiedlichkeit der Erfahrungen von Täter- und Opferkindern wollen wir uns anhand der Ausstellungen sowie in Arbeitsgruppen vergegenwärtigen. Annäherungsformen an die Opfer und deren Motivationen wie Identifikation, Empathie, Versöhnungswunsch, Schuldgefühle wollen wir konkret auf die zweite und dritte Generation der Täter- und Opfernachfahren beziehen und auch diskutieren, welche Erfahrungen wir selbst mit Begegnungen zwischen Nachkommen von Tätern und Opfern haben und welche Problematiken mit solchen Begegnungen verbunden sind.

Wie bei den letzten Malen wollen wir zugleich darüber sprechen, was es heißt, an einem der historischen Orte des Leidens von zahllosen Menschen den Spuren von Täter/innen, Mitläufer/innen und Zuschauer/Innen nachzugehen und es den TeilnehmerInnen ermöglichen, Bereiche der Gedenkstätte aufzusuchen.

Der Gesprächskreis ist offen für neue TeilnehmerInnen.

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