Feindbild Islam und Antisemitismus - ein umstrittener Vergleich

Tagung/Seminar/Workshop
21. Januar 2011 -
23. Januar 2011
Ort: Buchensee 1, Tutzing
Veranstalter: Buchensee 1, Tutzing

Akademie für Politische Bildung Tutzing; Moses Mendelssohn Zentrum, Tutzing 21.01.2011-23.01.2011, Buchensee 1

Deadline: 13.01.2011


Die Zukunft Deutschlands sehe düster aus: Unmengen "hosenverkaufender Jünglinge" wandern ein, "deren Kinder und Kindeskinder dereinst Deutschlands Börsen und Zeitungen beherrschen sollen". Diese "deutsch redenden Orientalen" müssten erst noch wirkliche Deutsche werden, "denn wir wollen nicht, dass auf die Jahrtausende germanischer Gesittung ein Zeitalter deutsch- jüdischer Mischkultur folge." So schrieb 1879 der Historiker Heinrich von Treitschke und löste damit den "Berliner Antisemitismusstreit" aus.


Unaufgeklärt, demokratiefeindlich und tendenziell gewalttätig, das sind nur einige der Vorwürfe, die heute gegenüber dem Islam geäußert werden.

Auch der Kinderreichtum von muslimischen Einwandererfamilien wird mancherorts nicht als Ausdruck von Kinderfreundlichkeit, sondern als Überfremdungsstrategie dargestellt. Wo muslimische Gemeinden besonders gut integriert sind, wird der Verdacht geäußert, dass sie sich nur verstellen. In Abgrenzung vom Islam hat die Rede von einer "jüdisch-christlichen Tradition" Konjunktur. So hat sich manches verändert und zugleich scheinen Motive auf, die altbekannt sind: Hat nicht der Kampf gegen den Bau von Moscheen in Deutschland, der Streit um Kuppeln und Minarette, seine historische Parallele im Streit um den Bau von Synagogen? Sind "Islamophobie" und "Judaeophobie" nicht zwei Seiten einer Medaille?


Halten es die einen für ein Gebot der Vorurteilsforschung, Ähnlichkeiten beider Phänomene herauszuarbeiten, so mahnen andere, nicht Unterschiede durch Vergleich zu bagatellisieren. Die Tagung wird sich zum einen der Geschichte der Vorurteile gegenüber Juden und Muslimen widmen. Zum anderen sollen die aktuellen empirischen Erkenntnisse über beide Phänomene herausgearbeitet werden, um so Möglichkeiten und Grenzen des Vergleichs auszuloten.


Wir laden Sie herzlich zu dieser Tagung nach Tutzing ein.


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Freitag, 21. Januar 2011


ab 15 Uhr: Anreise

17 Uhr: Begrüßung - Einführung (Dr. Michael Spieker, Akademie für Politische Bildung Tutzing und Prof. Julius Schoeps, Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums)

17.15 Uhr: Antisemitismus gestern und heute (Prof. Lars Rensmann, University of Michigan/Ann Arbor)

19.45 Uhr: Aktuelle Judenfeindschaft (Prof. Monika Schwatz-Friesel, TU

Berlin)


Samstag, 22. Januar


9 Uhr: Der westliche Blick auf den Islam (Prof. Peter Heine, HU Berlin)

11 Uhr: Das Bild von Islam und Muslimen in Deutschland (Prof. Andreas Zick, Universität Bielefeld) 14.30 Uhr: Parallelen zwischen Antisemitismus und Islamfeindschaft (Dr.

Juliane Wetzel, Zentrum für Antisemitismusfoschung, TU Berlin)

15.15 Uhr: Extremismus gegen Muslime? (Prof. Armin Pfahl-Traughber, FH

Brühl)

16.45 Uhr: Synagogenbau im 19. Jahrhundert (Dr. Ulrich Knufinke, TU

Braunschweig)

17.15 Uhr: Moscheebaukonflikte (PD Dr. Thomas Schmitt, Max-Planck-Institut zur Erforschung multikultureller Gesellschaften,

Göttingen)


Sonntag, 23. Januar 2011


9 Uhr: Der Islam in den Medien (Thorsten Schneiders, Deutschlandfunk) 9.30 Uhr: Das Judentum in den Medien (Dr. Monika Halbinger, LMU

München)

10.30 Uhr: Ausgegrenzt und dazugehörig - gemeinsam oder auf getrennten Wegen? Aus jüdischer und muslimischer Perspektive (Dr. Heinrich Olmer, Vizepräsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern und Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland.