im Mittelpunkt des Passionsgottesdienstes steht das namentliche Gedenken an Opfer der NS-„Euthanasie“ und an Menschen, die wegen ihres Widerstandes gegen die Krankenmorde selbst verfolgt wurden.
Von 1939 bis 1945 ermordete der nationalsozialistische Staat in der „Euthanasie“ etwa 300.000 Kinder, Frauen und Männer. Als „lebensunwert“ galten psychisch kranke und geistig behinderte Menschen, Fürsorgezöglinge, Alkoholkranke und andere, die als „erbkrank“ oder „minderwertig“ eingestuft wurden.
Vor 70 Jahren, im Frühjahr 1941, wurde der Krankenmord auf „arbeitsunfähige“ KZ-Häftlinge ausgeweitet. In Dachau begannen SS-Ärzte im Sommer 1941 mit den „Selektionen“. Später wurden mit „Invalidentransporten“ 2.593 Menschen aus Dachau nach Schloss Hartheim bei Linz gebracht, wo sie mit Giftgas ermordet wurden. Nach Beendigung dieser Transporte ging die „Euthanasie“ im KZ Dachau mit Giftinjektionen und Nahrungsentzug weiter. Im Herbst 1944 deportierte die SS 2.177 „arbeitsunfähige“ jüdische Häftlinge aus den Außenlagern Mühldorf und Kaufering zur Ermordung nach Auschwitz.
In der deutschen Bevölkerung gab es Zustimmung zum „Gnadentod“ für „lebensunwertes Leben“, aber auch Widerspruch und mutigen Einsatz für Verfolgte. Auch ins KZ Dachau wurden Menschen verschleppt, die gegen die Verbrechen protestierten. An sie wird im Gottesdienst ebenfalls erinnert.
Es dauerte Jahrzehnte, bis die Opfer der „Euthanasie“ als NS-Verfolgte anerkannt wurden. Dies hängt auch damit zusammen, dass Menschen mit Behinderung über 1945 hinaus diskriminiert und ausgegrenzt wurden. Barbara Nieder, die als Sozialpädagogin in einer integrativen Wohngemeinschaft des Vereins „Gemeinsam Leben Lernen“ arbeitet, wird im Gottesdienst von aktuellen Erfahrungen berichten. Wie ihre Bewohner mit geistiger Behinderung sich manchmal in der Öffentlichkeit fühlen: ausgelacht, angestarrt, nicht für voll genommen. Frau Nieder befürchtet, dass die Akzeptanz weiter abnimmt, wenn in der Gesellschaft durch die Möglichkeiten der Präimplantationsdiagnostik das Bild des Menschen als gentechnisch „designtes“ Wesen mehrheitsfähig wird.
Das Bach-Ensemble Pasing singt unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Arnold Mehl Werke von Johannes Brahms, Heinrich Kaminski und Felix Mendelssohn Bartholdy.