Eintritt frei
Anmeldungbis spätestens 21.01.2011 an:
Stiftung Topographie des Terrors
Fax: 030 254509-99
Telefon: 030 254509-0
14.00 Uhr
Führung durch die Dauerausstellung „Topographie des Terrors“, orientiert an Gesichtspunkten des christlichen Widerstands (Jan Martin Ogiermann)
15.00 Uhr
Begrüßung: Prof. Dr. Andreas Nachama und Pfarrerin Marion Gardei
15.10 Uhr
Dr. Elisabeth Schmitz (1893-1977) – in der NS-Zeit Studienrätin in Berlin-Mitte und Lankwitz (bis 1938)
vorgestellt von Prof. Dr. Manfred Gailus
15.50 Uhr
Pause
16.20 Uhr
Prof. Dr. Elisabeth Schiemann (1881-1972)– in der NS-Zeit a.o. Professorin für Botanik an der Berliner Universität (bis 1940)
vorgestellt von Martina Voigt
17.00 Uhr
Margarete Meusel (1897-1953) – in der NS-Zeit Leiterin des Evangelischen Bezirkswohlfahrtsamts Berlin-Zehlendorf
vorgestellt von Dr. Hartmut Ludwig
17.30 Uhr
Abschlussdiskussion
Die Historikerin Dr. Elisabeth Schmitz (1893-1977) war in der NS-Zeit Studienrätin an einem Berliner Mädchengymnasium und Mitglied der Bekennenden Kirche. 1938 bat die 45-Jährige um Versetzung in den Ruhestand, weil sie die neuen nationalsozialistisch geprägten Lehrpläne ablehnte. Ebenso wie ihre Freundin, die Botanik-Professorin Elisabeth Schiemann (1881-1972), gewährte sie ab 1933 zahlreichen jüdischen Menschen Hilfe. Ihre 1935/36 anonym verfasste Denkschrift Zur Lage der deutschen Nichtarier schrieb sie mit dem Ziel, die Bekennende Kirche zu einer öffentlichen Stellungnahme gegen die Verfolgung der Juden zu veranlassen. Im Gegensatz zu der Denkschrift über die Aufgaben der Bekennenden Kirche an den evangelischen Nichtariern von Margarete Meusel (1897-1953), der Leiterin des Evangelischen Bezirkswohlfahrtsamts Berlin-Zehlendorf, ging es Elisabeth Schmitz nicht allein um die Christen jüdischer Herkunft. Sie forderte in ihrer Denkschrift kirchliche Solidarität für alle Verfolgten. Während des Zweiten Weltkriegs kehrte sie in ihre Heimatstadt Hanau zurück. Elisabeth Schiemann übte ebenfalls offene Kritik an der Rassenpolitik des National-sozialismus. Ihr wurde 1940 die Lehrbefugnis entzogen. Margarete Meusel blieb während der Kriegsjahre Anlaufstelle für Verfolgte. Auch sie leistete aktiven Rettungswiderstand.
Die drei Frauen sind von der Berliner Kirche lange Zeit vergessen worden. Erst allmählich werden ihre Widerstandsaktivitäten bekannt. Margarete Meusel ist 2007 von Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet worden.
Manfred Gailus, 1949 geboren, ist apl. Professor für Neuere Geschichte an der Technischen Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Sozial- und Politikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts sowie die Geschichte der protestantischen Kirchen seit dem Kaiserreich. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Veröffentlichungen, darunter Protestantismus und Nationalsozialismus. Studien zur nationalsozialistischen Durchdringung des protestantischen Sozialmilieus in Berlin (2001) und der Sammelband Kirchliche Amtshilfe. Die Kirche und die Judenverfolgung im „Dritten Reich“ (2008). Zuletzt erschien seine Biographie Mir aber zerriss es das Herz. Der stille Widerstand der Elisabeth Schmitz (2010).
Martina Voigt, 1960 geboren, ist freie Mitarbeiterin der Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Projekt „Stille Helden“. Sie studierte Geschichte und Ethnologie und war seither in verschiedenen Projekten zur Geschichte des Nationalsozialismus und des Widerstands tätig. Zu ihren Veröffentlichungen gehört der Aufsatz Weggefährtin im Widerstand. Elisabeth Schiemanns Einsatz für die Gleichberechtigung der Juden, in: M. Gailus (Hg.), Elisabeth Schmitz und ihre Denkschrift gegen die Judenverfolgung (2008).
Hartmut Ludwig, 1942 geboren, war bis 2008 Dozent für Kirchliche Zeitgeschichte an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt. Zuletzt erschien An der Seite der Entrechteten und Schwachen. Zur Geschichte des „Büro Pfarrer Grüber“ (1938 bis 1940) und der Ev. Hilfsstelle für ehemals Rasseverfolgte nach 1945 (2009). Mit der Biographie von Margarete Meusel beschäftigt er sich seit vielen Jahren.