Obwohl Frauen in SBZ und DDR einen nicht unerheblichen Anteil der Gefangenen stellten, wurde die Kategorie Geschlecht in Forschung und Vermittlung bislang häufig vernachlässigt. Der von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, dem Lernort Keibelstraße und dem Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam veranstaltete Workshop für Gedenkstätten an ehemaligen Haftorten setzt hier an: Er widmet sich der Frage, welche besonderen Erfahrungen weibliche Inhaftierte in SBZ und DDR machten und wie sich diese in der historisch-politischen Bildungsarbeit von Gedenkstätten und Lernorten widerspiegeln.
Sicherheitsbehörden in der SBZ und DDR stuften Devianz und Nonkonformität als potenziell systemgefährdend ein. Diese Zuordnungen trafen auch Frauen, wenn sie sich nicht gemäß den Vorstellungen der Staats- und Parteiführung der DDR und dem offiziell propagierten Frauenbild verhielten. Wer unangepasst lebte, als Jugendliche aus dem Elternhaus ausbrach oder sich nicht unterordnete, riskierte Repressionen oder Haft. Für diese jungen Frauen, aber auch die älteren, die konkret gegen die geltenden Gesetze verstießen, existierte auf dem Gebiet der DDR ein System verschiedener Haft- und Verwahrungsorte. Hinzu kamen sogenannte venerologische Stationen, in die Frauen mit Verdacht auf Geschlechtskrankheiten zwangsweise eingewiesen wurden und deren Aufenthalt faktisch einer Haft gleichkam. Der Blick auf diese Orte verdeutlicht, wie sich ein als Fürsorge deklarierter, tatsächlich aber disziplinierender Zugriff des DDR-Regimes mit bereits lange bestehenden gesellschaftlichen Normvorstellungen über weibliche Sexualität und Verhalten verband.
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