Am 9. November jährt sich der Novemberpogrom von 1938 zum 72. Mal. Während einer Veranstaltung in der Gedenkstätte Buchenwald am Gedenkstein für die Opfer des Pogroms und des jüdischen Sonderlagers wird an die Toten erinnert. Die Veranstaltung beginnt um 15.30 Uhr.
Nach dem Pogrom vom 9./10. November 1938 hatte die Gestapo etwa 30.000 deutsche Juden verhaften und in Konzentrationslager bringen lassen. In das KZ Buchenwald wurden 9.845 Männer aus ganz Deutschland eingeliefert und in einer abgegrenzten Zone westlich des Appellplatzes in fünf scheunenartigen Baracken gefangengehalten. Die Lebensbedingungen waren menschenunwürdig, sanitäre Einrichtungen gab es kaum, Wasser war Mangelware. Wie es in den Unterkünften der jüdischen Häftlinge im KZ Buchenwald aussah, beschreibt Julius Feist aus Nordhausen, der am 10. November 1938 in das Sonderlager eingeliefert wurde:
„Die Baracken waren schnell behelfsmäßig aus dünnen Brettern zusammengezimmert worden, mit Dachpappe abgedeckt, der Fußboden war festgetretner Lehm. Der Bau hatte nur eine Tür und folgende Abmessungen: 100 Meter lang, 12 Meter breit und 5 Meter hoch. Auf der rechten Seite stand ein Schlafregal, 2 Meter tief mit 4 Fächern, jedes 50 Zentimeter hoch. Im Abstand von 1,35 Meter stand ein Pfosten, dazwischen mussten vier Mann liegen, das war nur hochkant möglich, Stroh und Decken gab es nicht. Nach einem Gang von 1 Meter Breite kam das nächste Regal von 4 Meter Tiefe, in dem die Menschen von beiden Seiten entsprechend untergebracht waren, dann wieder ein Gang, wieder ein Regal.“ Ziel der Aktion war die Entwürdigung und Ausplünderung der Verschleppten. Deshalb entließ die SS die meisten Verhafteten, wenn sie sich bereit erklärt hatten, ihr Eigentum unter Wert zu veräußern und Deutschland zu verlassen. Bis zur Auflösung des Lagers Anfang 1939 starben dennoch 250 Inhaftierte durch die Misshandlungen der SS. Die Baracken ließ die SS danach abreißen, 1941 wurde an der Stelle die sogenannte
Häftlingskantine gebaut, unterhalb befanden sich später die Optikwerkstätten. Seit 1954 erinnert ein Gedenkstein an die Opfer des jüdischen Sonderlagers.