„In Echt?“ – Virtuelle Begegnung mit NS-Zeitzeug:innen“
Das demokratiefördernde Erinnerungsprojekt entstand aus der Kooperation des Brandenburg Museums für Zukunft, Gegenwart und Geschichte in Potsdam mit der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF und wird in der Bildungsagenda NS-Unrecht von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) gefördert. Ausgangspunkt war die Frage, wie virtuelle Begegnungen mit Zeitzeug:innen historische Bildung bereichern und empathische Zugänge ermöglichen können, ohne die ethischen Grenzen zu überschreiten. Das Projekt „In Echt? – Virtuelle Begegnungen mit NS-Zeitzeug:innen“ bietet einen möglichen Weg, um die Eindringlichkeit von erzählten Zeitzeugen:innneberichten für nachfolgende Generationen zu bewahren, wenn es keine Zeitzeug:innen mehr gibt. Das so entstandene bundesweite Bildungsprojekt eröffnet mithilfe von Virtual Reality neue Zugänge zur historischen Vermittlung. Ausgestattet mit einer VR-Brille begegnen Besucherinnen und Besucher fünf jüdischen Überlebenden der Shoah – Ruth Winkelmann, Kurt Hillmann, Charlotte Knobloch, Inge Auerbacher und Leon Weintraub. Durch den Einsatz dreidimensionaler Aufnahmetechnik bleiben ihre Geschichten im virtuellen Raum erfahrbar. Die digitale Begegnung mit ihnen wirkt fast so eindringlich und authentisch, als fände sie „in echt“ statt. Diese technologische Innovation wird durch analoge und digitale Stationen ergänzt, die die Lebensgeschichten der Zeitzeug:innen und die Entstehung der Interviews dokumentieren.Schirmherr Michel Friedman erklärt zur digitalen Zeitzeug:innenschaft:„In einer solchen Begegnung im virtuellen Raum erleben wir deutlich die Spuren dieses Menschen, auch wenn es sich nicht um den lebendigen Menschen handelt. In einer solchen Übersetzung ist die virtuelle Begegnung ein Mittel unter vielen. Ich kann immer nur dazu raten, auch Bücher zu lesen, Filme zu sehen, auch mal auf wissenschaftliche Wissenserkenntnisse zuzugreifen. Es ist ein Mittel unter vielen, aber ist das Mittel des 21. Jahrhunderts. Für junge Menschen ist die virtuelle Begegnung nicht nur bei diesem Thema etwas, das immer alltäglicher sein wird. Auch eine virtuelle Begegnung mit Menschen, die nicht mehr leben, aber die man erleben kann, als sie lebend ihre Geschichten erzählt haben, ist eine Möglichkeit, die ich sehr begrüße.“ Im Zentrum des Projektes steht ein Bildungskonzept für Schüler:innen ab der 9. Klasse und Erwachsene. Der 90-minütige VR-Workshop bietet einen modernen Zugang zur NS-Geschichte. Die virtuelle Begegnung mit NS-Zeitzeug:innen werden durch einen interaktiven Lernparcours mit historischen Fotografien, Biografien der Zeitzeug:innen, Informationen zur Entstehung der virtuellen Interviews sowie Graphic Novels über die NS-Zeit ergänzt. Dabei reflektieren die Teilnehmenden Chancen und Grenzen digitaler Erinnerungskultur und stärken ihre Medienkompetenz. Die Auseinandersetzung mit individuellen Erfahrungen von Verfolgung, Ausgrenzung und Überleben sensibilisierte für aktuelle Formen von Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit. Die Inhalte der mobilen Ausstellung sind in den Sprachen Arabisch, Französisch, Türkisch, Russisch, Polnisch, Englisch und in Deutscher Gebärdensprache verfügbar. Eine barrierearme 2D-Variante und Workshops in Einfacher Sprache ermöglichen Menschen mit Inklusionsbedarf die Teilnahme. Die Ausstellung sensibilisiert für die Gefahren von Antisemitismus und Rassismus. Sie lädt insbesondere junge Menschen dazu ein, sich intensiver mit der Geschichte des Nationalsozialismus und den Bezügen zur Gegenwart auseinanderzusetze. Das bundesweite Pilotprojekt „In Echt? – Virtuelle Begegnung mit NS-Zeitzeug:innen“ zieht nach drei Jahren erfolgreicher Laufzeit eine eindrucksvolle Bilanz: bundesweit erreichte das demokratiefördernde Erinnerungsformat 20.000 Menschen, darunter rund 3.000 Schüler:innen. Damit hat sich das Projekt zu einem der gefragtesten Angebote für digitale NS-Vermittlung bundesweit entwickelt. „Wir haben erlebt, dass Erinnerung besonders wirksam ist, wenn sie unmittelbar ist – wenn Jugendliche Menschen begegnen, die sagen können: ´Ich war dabei. Es kann wieder passieren´“, sagt Projektleiterin Johanna Schüller. Die dokumentierten Gespräche mit Besucher:innen und Schüler:innengruppen zeigen, wie dünn der demokratische Firnis sein kann – und wie kraftvoll Begegnungen mit Zeitzeug:innen wenn persönlich erzählt wird. Die mediale und institutionelle Resonanz reicht von ARTE, MDR artour, heute journal, Tagesschau, KIKA logo! und internationalen TV-Formaten bis hin zu Einladungen durch den Deutschen Ethikrat, das Nationaltheater Weimar, die re:publica und das Leo-Baeck-Institut.Zwischen 2022 und 2023 wurden volumetrische Interviews aufgezeichnet und für eine mobile VR-Ausstellung aufbereitet, die im Sommer 2023 auf Tour durch Brandenburg ging. Auf öffentlichen Plätzen und in Schulen konnten über 1.500 Schüler:innen die Zeitzeug:innen virtuell erleben – die Evaluationsphase bestätigte eine intensive emotionale Wirkung und die nachhaltige Förderung von Empathie. 2024 präsentierte das Brandenburg Museum in Potsdam die Ausstellung mit begleitenden Workshops für die Jahrgangsstufen 9 bis 12, die insgesamt 6.874 Besucher:innen erreichte. In einer international besetzten Konferenz im Brandenburg Museum wurde die Bedeutung des Projekts für bundesweite Forschung und Erinnerungsarbeit unterstrichen, u. a. durch Prof. Aleida Assmann.
Tourstationen in 2026
Ort: Angermünde
Datum: Montag, 7.9. bis Dienstag, 8.9.2026
Standort: Marktplatz, neben dem Rathaus, Markt 24, 16278 Angermünde
Kooperationspartnerin: Stadt Angermünde
Besuchszeiten
Eröffnung: -
Öffnungszeiten für Laufpublikum: Montag, 7.9.2026, 14:30-17 Uhr und Dienstag, 8.9.2026, 14:30-17 Uhr
Ort: Eberswalde
Datum: Mittwoch, 9.9. bis Donnerstag, 10.9.2026
Standort: Marktplatz, Am Markt, 16225 Eberswalde
Kooperationspartnerin: Kreisvolkshochschule Barnim
Besuchszeiten
Eröffnung: Mittwoch, 9.9.2026, 14:30 Uhr
Öffnungszeiten für Laufpublikum: Mittwoch, 9.9.2026, 15-17 Uhr und Donnerstag, 10.9.2026, 14:30 bis 17 Uhr
Ort: Berlin-Friedrichshagen
Datum: Montag, 14.9. bis Mittwoch, 16.9.2026
Standort: Kirchplatz der Christophoruskirche, Bölschestraße, 12587 Berlin-Bezirk Treptow-Köpenick
Kooperationspartner: Friedrichshagen solidarisch e.V.
Besuchszeiten
Eröffnung: Montag, 14.9.2026, 16 Uhr
Öffnungszeiten für Laufpublikum: Montag, 14.9.2026, 16:30-18 Uhr und Dienstag, 15.9.2026, 14-17 Uhr sowie Mittwoch, 16.9.2026, 14-17 Uhr
Ort: Prenzlau
Datum: Freitag, 25.9.2026 bis Samstag, 26.9.2026
Standort: St.-Jacobi-Kirche, Friedrichstraße 40, 17291 Prenzlau
Kooperationspartner: Kreisvolkshochschule Uckermark & Evangelische Kirchengemeinde Prenzlau
Besuchszeiten
Eröffnung: tbd
Öffnungszeiten für Laufpublikum: tbd
Ort: Berlin
Datum: Montag, 28.9.2026
Standort: Haus der Berliner Festspiele, Schaperstraße 24, 10719 Berlin
Kooperationspartner: Berliner Festspiele
Besuchszeiten:
Eröffnung: tbd
Öffnungszeiten für Laufpublikum: tbd
Ort: Babelsberg
Datum: Dienstag, 29.9.2026
Standort: Studio Babelsberg, August-Bebel-Str. 26-53, 14482 Potsdam
Kooperationspartner: MediaTech Hub Conference & Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf
Besuchszeiten
Eröffnung: tbd
Öffnungszeiten für Laufpublikum: tbd
Ort: Lübbenau
Datum: Sonntag, 30.9.206 bis Mittwoch, 2.10.206
Standort: AWO Louise Schroeder Bildungszentrum, A.-v.-Humboldt-Straße 43, 03222 Lübbenau/Spreewald & Roter Platz, 03222 Lübbenau/Spreewald
Kooperationspartner:innen: Gleis 3 & Stadt Lübbenau
Besuchszeiten
Eröffnung: tbd
Öffnungszeiten für Laufpublikum: tbd