Die von der VHV Stiftung geförderte Erinnerungswerkstatt richtet sich insbesondere an Multiplikator:innen der historisch-politischen Bildung, Lehrkräfte sowie Mitarbeitenden in Bildungs-, Vermittlungskontexten und Gedenkstätten.
Die Veranstaltung ist Teil des internationalen Forschungsprojekts „Wirkung der Wiedergutmachung – eine jüdisch-deutsche Erfahrungsgeschichte“ der Touro University. Im Rahmen des Projekts wurden in den Jahren 2024/25 über 50 Zeitzeugeninterviews mit Holocaust-Überlebenden und ihren Familien in Europa und Israel geführt. Ziel ist es, die Wirkung von Entschädigungsmaßnahmen aus der Perspektive der Betroffenen sichtbar zu machen – als biografische Erfahrung, als emotionales Erleben und als Teil kollektiver Erinnerung.
Die Werkstatt eröffnet auf Basis dieses einzigartigen Materials neue Einblicke in transnationale Erfahrungen von Wiedergutmachung. Perspektiven aus Polen, Deutschland, Israel, Belgien und der ehemaligen UdSSR zeigen, wie unterschiedlich Erinnerung, Anerkennung und Gerechtigkeit wahrgenommen werden.
In einem offenen, kreativen Format bewegen sich die Teilnehmenden zwischen verschiedenen Arbeitsstationen. Sie analysieren Audio- und Videomaterial, entwickeln eigene Deutungen, gestalten künstlerische Zugänge und formulieren Fragen an die Zukunft der Erinnerung. Ziel ist es, individuelle Perspektiven sichtbar zu machen, marginalisierte Stimmen einzubeziehen und neue Ansätze für eine multiperspektivische Bildungsarbeit zu entwickeln.
Um 18 Uhr schließt eine öffentliche Abendveranstaltung an, in der das Buch " Die Wirkung der Wiedergutmachung. Internationale Perspektiven auf die Erfahrungsgeschichte der deutschen Entschädigung für nationalsozialistisches Unrecht" vorgestellt wird.
Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung aufgrund begrenzter Teilnehmer:Innenzahl ist obligatorisch bei: Dr. Inka Engel <inkaengel@remove-this.googlemail.com>
Ablauf der Veranstaltung
Kurzes Input-Referat mit der Vorstellung des Archivteils der Touro University (auf der Plattform der FU) & Interaktive Erinnerungswerkstatt mit Produktergebnissen
- Die Teilnehmenden bewegen sich frei zwischen mehreren kreativen Arbeitsstationen, die unterschiedliche Zugänge zu den Zeitzeugeninterviews eröffnen und jeweils ein eigenes kleines Produkt hervorbringen, ohne dass eine feste Reihenfolge vorgegeben ist. In der Echo Listening Booth – „Die Stimme verstehen“ arbeiten sie ausschließlich mit Audioausschnitten und Transkripten, markieren Schlüsselstellen, Emotionen und prägnante Begriffe und entwickeln daraus kurze Audioformate wie Mini-Annotationen oder „One-minute-Response“-Statements.
- Ein ästhetischer Zugang entsteht in Memory Remix – „Interview wird künstlerisch interpretiert“, wo Zitate, Motive und Stichworte aus den Interviews in visuelle oder poetische Mini-Formate überführt werden – etwa als kleine Illustrationen, Blackout Poems, Haikus oder Collagen.
- Die Context Capsule – „Historische Einbettung live gebaut“ richtet den Blick auf die kontextuelle Verortung: Welche historischen Bezüge tauchen zum Holocaust oder auch allgemein Genoziden in der Aussage auf, welche Leerstellen bestehen, welche ergänzenden Informationen sind notwendig? Die Teilnehmenden erstellen hierzu kompakte „Kontexttafeln“, die wie Mini-Museums-Panels gestaltet werden.
- Mit einer stärker visuellen Analyse arbeitet der Reparations Recorder – „Wiedergutmachung im Bild“. In Videosequenzen untersuchen die Teilnehmenden Mimik, Gestik und nonverbale Signale, insbesondere in Passagen, in denen über Wiedergutmachung gesprochen wird. Dadurch treten emotionale und biografische Dimensionen hervor, die über das Gesagte hinausreichen.
- Forschend orientiert ist die Dialogue Machine – „Zeitzeugeninterview als Ausgangspunkt für Fragen“. Hier wird das Interviewmaterial explorativ untersucht, Spuren werden verfolgt und auf dieser Basis neue Fragen entwickelt, die man den Zeitzeug*innen heute stellen würde. Das Ergebnis ist ein „Fragenkatalog der (perspektivisch) nächsten Generation“.
- Abschließend – oder auch zwischendurch – formulieren die Teilnehmenden an der Station Memory Message – „Was bleibt?“ eine persönliche Essenz oder Mahnung, die sie aus der Auseinandersetzung mit dem Interview ziehen. Diese wird als „Memory Message Card“ festgehalten und eignet sich sowohl für Ausstellungen als auch für Social Media oder pädagogische Sammlungen.
Reflexions- und Diskussionsrunden:
- Thematisierung von Kontinuitäten, Brüche und Herausforderungen.
- Einbettung in die Genozidforschung.
- Reflexion über gesellschaftliche und politische Implikationen sowie pädagogisch innovativen Formaten in der Holocaust-Education.
- Analyse, welche Perspektiven bisher sichtbar sind und welche marginalisiert bleiben.