Karl Jäger. Mörder der litauischen Juden

Buchpräsentation
25. Oktober 2011
19:00 - 00:00 Uhr
Ort: Stiftung Topographie des Terrors
Veranstalter: Stiftung Topographie des Terrors

Vortrag: Prof. Dr. Wolfram Wette, Freiburg i.Br.

Moderation: Dr. Peter Klein, Berlin

Topographie des Terrors  Auditorium

Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg

Eintritt frei

SS-Standartenführer Karl Jäger (1888–1959) leitete die Ermordung der litauischen Juden, zunächst in der Funktion des Chefs des Einsatzkommandos 3, dann als Kommandeur der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes in Kaunas (Litauen). Am 1. Dezember 1941 meldete er seinen Vorgesetzten in einem detaillierten Tätigkeitsbericht die Exekution von 137.346 Juden und gab an, Litauen sei jetzt „judenfrei“. Der „Jäger-Bericht“ wurde zu einem Schlüsseldokument zur Geschichte des Holocaust.

In seiner Biographie Karl Jäger. Mörder der litauischen Juden (2011) geht Wolfram Wette der Frage nach, wer dieser Polizeioffizier aus dem zweiten Glied der SS-Hierarchie war, der sich selbst als Soldat verstand. Darüber hinaus informiert Wette über die deutschen und litauischen Täter und bezieht auch die Erinnerungsberichte von Überlebenden mit ein. In einem abschließenden Kapitel „Verdrängung und späte Erinnerung“ thematisiert er die erst Jahrzehnte später in Deutschland und Litauen erfolgte Auseinandersetzung mit den Judenmorden im Baltikum.

Wolfram Wette, 1940 geboren, Historiker und freier Autor, ist seit 1998 apl. Professor für Neueste Geschichte an der Universität Freiburg i.Br. und Ehrenprofessor der russischen Universität Lipezk. Von 1971 bis 1995 arbeitete er am Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Freiburg. 1984 war er Mitbegründer des Arbeitskreises Historische Friedensforschung und seither mehrfach dessen Sprecher. Wette hat zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs vorgelegt. Zu den neueren Publikationen gehören Die Wehrmacht. Feindbilder, Vernichtungskrieg, Legenden (2002), Zivilcourage. Empörte, Helfer und Retter aus Wehrmacht, Polizei und SS (Hg., 2003) und Militarismus in Deutschland. Geschichte einer kriegerischen Kultur (2011).

Peter Klein, 1962 geboren, ist wissenschaftlicher Angestellter bei der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur und freier Mitarbeiter der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz. Der Historiker ist u.a. Herausgeber des Bandes Die Einsatzgruppen in der besetzten Sowjetunion. Die Tätigkeits- und Lageberichte des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD 1941/42 (1997).