Vortrag: Dr. Katrin Reichelt, Berlin
Moderation: Dr. Peter Klein, Berlin
Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei
(Gemeinsam mit dem Metropol Verlag)
Die Studie Lettland unter deutscher Besatzung 1941–1944. Der lettische Anteil am Holocaust (2011) gibt einen Überblick über die Radikalisierung der Verfolgungsmaßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung während der nationalsozialistischen Okkupation Lettlands. Unter dem Aspekt der lettischen Beteiligung untersucht Katrin Reichelt die Entrechtung, Ausbeutung, Enteignung, Terrorisierung, Inhaftierung und die Ermordung der Opfer.
In ihrem Vortrag konzentriert sich die Autorin auf das Zusammenwirken von deutschen und lettischen Komplizen bei der Judenverfolgung. Anhand von Fallbeispielen zeigt sie, inwieweit aktive oder passive Beteiligung von Letten am Holocaust als ein für die gesamte lettische Gesellschaft repräsentatives kollektives Verhalten bewertet werden kann. Reichelt zeichnet Täterstrukturen und -profile nach, diskutiert Ursachen und Motive der Kollaboration und geht auch der Frage der Solidarität von Letten mit verfolgten Juden nach.
Katrin Reichelt, 1970 geboren, studierte Russistik, Polonistik, Neuere und Neueste Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie war mehrere Jahre am kanadischen Justizministerium/Abt. Kriegsverbrechen in Ottawa sowie am United States Holocaust Memorial Museum in Washington D.C. tätig. Im April 2011 erschien ihre Dissertation Lettland unter deutscher Besatzung 1941–1944. Der lettische Anteil am Holocaust.
Peter Klein, 1962 geboren, ist wissenschaftlicher Angestellter bei der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur. Zu seinen Veröffentlichungen gehört die gemeinsam mit Andrej Angrick verfasste Studie Die „Endlösung“ in Riga. Ausbeutung und Vernichtung 1941–1944 (2006).