Deutsches Historisches Museum; Niedersächsisches Forschungskolleg 'Nationalsozialistische Volksgemeinschaft', Berlin 19.11.2010-20.11.2010, Berlin, DHM, Zeughauskino, Unter den Linden 2
Deadline: 05.11.2010
Im Zentrum der politischen Konstruktion von nationalsozialistischer 'Volksgemeinschaft' stand die Frage, wer zugehörig sei und wer nicht.
Migration und deren Begleit- und Folgeerscheinungen mussten mithin als eine Herausforderung verstanden werden. Ungeregelte bzw. unkontrollierte Migration galt dem NS-Staat als Gefahr. Er strebte sowohl bei grenzüberschreitenden Bewegungen als auch bei internen Migrationen nach repressiver Steuerung und Kontrolle. Sie wurde insbesondere mit Hilfe des Kompetenzzuwachses der Arbeitsverwaltung im Rahmen des 'Arbeitseinsatzes', verschärfter Grenzkontrollen und restriktiver Anwendung der Pass- und Visabestimmungen erreicht. Die Aufhebung liberal-demokratischer Freiheitsrechte ermöglichte die Etablierung eines weitreichenden migratorischen Lenkungssystems.
Der Tagung »Nationalsozialistisches Migrationsregime und 'Volksgemeinschaft'« geht es um die Wechselwirkungen zwischen migratorischer Entwicklung und staatlichen Aktionen zur Konstruktion von 'Volksgemeinschaft' in der durch massive Aufrüstung und Kriegsvorbereitung geprägten Phase bis zum Kriegsbeginn 1939. Darüber hinaus strebt sie danach, das nationalsozialistische Migrationsregime in die Entwicklungen in Deutschland und Europa im 20. Jahrhundert einzuordnen. Migrationsregime bedingten die Umsetzung und Gestaltung von individuellen oder kollektiven Migrationsoptionen, beeinflussten, kontrollierten, förderten, steuerten oder begrenzten das Handeln von Akteuren im Prozess der Migration. Elemente von Migrationsregimen sind für die Rahmung und Gestaltung von Migrationsprozessen relevante weltanschauliche und politische Prinzipien, staatlich gesetzte Regeln, institutionelle Gefüge und administrative Entscheidungsprozeduren. In den Blick genommen werden dabei die unterschiedlichen Erscheinungsformen räumlicher Bevölkerungsbewegungen von, nach und in Deutschland in den 1930er Jahren.
Die Tagung wird veranstaltet vom Forschungskolleg »Nationalsozialistische 'Volksgemeinschaft'? Konstruktion, gesellschaftliche Wirkungsmacht und Erinnerung vor Ort«, an dem die vier niedersächsischen Universitäten Hannover, Göttingen, Oldenburg und Osnabrück beteiligt sind (<http://www.foko-ns.de>). Mitveranstalter ist das Deutsche Historische Museum, Berlin (<http://www.dhm.de>).
Verantwortlich für die Konzeption der Tagung ist Apl. Prof. Dr. Jochen Oltmer, Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien
(IMIS) der Universität Osnabrück (<http://www.imis.uni-osnabrueck.de>).
Die Tagung wird gefördert aus Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (Niedersächsischer Vorab der VolkswagenStiftung).
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Freitag, 19. November 2010
8.30 Uhr bis 9.00 Uhr
Eintreffen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
9.00 Uhr
Begrüßung
Prof. Dr. Hans Ottomeyer
Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum, Berlin
9.15 Uhr bis 10.15 Uhr
Einführende Perspektiven
Sonderfall NS-Migrationsregime?
Der Wandel der Migrationsregime seit dem späten 19. Jahrhundert in Deutschland und Europa Apl. Prof. Dr. Jochen Oltmer Universität Osnabrück
Wanderungen im Deutschland der 1930er Jahre. Strukturmuster und Theoriewandel Prof. Steve Hochstadt, Ph.D.
Illinois College, Jacksonville
10.15 Uhr bis 10.45 Uhr Kaffeepause
10.45 Uhr bis 13.00 Uhr
Exklusion und Inklusion
Fremde und Zugehörige in der NS-'Volksgemeinschaft'
Prof. Dr. Michael Wildt
Humboldt-Universität zu Berlin
Anti-jüdische Politik und Migration
Prof. Dr. Joachim Schlör
University of Southampton
'Fremdvölkische' vor Gericht
Christine Schoenmakers, M.A.
Universität Oldenburg
Moderation und Kommentar
Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer
Universität Münster
13.00 Uhr bis 14.15 Uhr Mittagspause
14.15 Uhr bis 16.30 Uhr
Aufrüstung, ökonomischer Wandel und Migration
'Landflucht', Agrarsystem und Moderne: Deutschland 1933-1939 Priv.Doz. Dr. Ernst Langthaler Universität Wien
Migration und NS-Großbaustellen
Dr. Lars Amenda
Universität Osnabrück
Urbane Räume und die Folgen von Migration - Wilhelmshaven als Beispiel Gunnar Zamzow, M.A.
Universität Oldenburg
Moderation und Kommentar
Prof. Chris Szejnmann, Ph.D.
Loughborough University
16.30 Uhr bis 17.00 Uhr Kaffeepause
17.00 Uhr bis 19.15 Uhr
Raumpolitik und Migration
Die Zuwanderung in die mitteldeutschen Industriezentren 1933-1939 und die Aufgaben der Landesplanung in den Gauen Magdeburg-Anhalt und Halle-Merseburg Dr. Oliver Werner Universität Jena
Planung und Durchführung der 'Freimachungen' an der westlichen Reichsgrenze 1939/40 Armin Nolzen, M.A.
Ruhr-Universität Bochum
NS-Raumpolitik, Migrationsverhältnisse und 'Volksgemeinschaft'
Dr. Michael Wedekind
Universität Münster
Moderation und Kommentar
Dr. Martina Steber
Deutsches Historisches Institut London
Samstag, 20. November 2010
9.00 Uhr bis 11.15 Uhr
Rekrutierung von Arbeitskräften im Ausland
Anwerbeverträge als Instrument nationalsozialistischer Migrationssteuerung Priv. Doz. Dr. Christoph Rass RWTH Aachen
Die migratorische Achse: Rekrutierung italienischer Arbeitskräfte Dr. Roberto Sala Universität Erfurt
Forcierung von Rückwanderung: deutsche Dienstmädchen in den Niederlanden und die NS-Migrationspolitik Prof. Dr. Barbara Henkes Universiteit Groningen
Moderation und Kommentar
Dr. Bernhard Gotto
Institut für Zeitgeschichte, München
11.15 Uhr bis 11.45 Uhr Kaffeepause
11.45 Uhr bis 13.00 Uhr
Führung durch die DHM-Ausstellung »Hitler und die Deutschen.
Volksgemeinschaft und Verbrechen«
Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer
Universität Münster
Treffpunkt: am Ausstellungseingang, Pei-Bau
13.00 Uhr bis 14.15 Uhr Mittagspause
14.15 Uhr bis 15.30 Uhr
Schluss: Krieg und migrationspolitische Radikalisierung
Kriegswirtschaft und der Übergang zur Zwangsarbeit Priv. Doz. Dr. Mark Spoerer Deutsches Historisches Institut Paris
Abschlussdiskussion. Einführung und Moderation Priv. Doz. Dr. Thomas Schaarschmidt Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam