Polnische Bürgermeister und der Holocaust. Besatzung, Verwaltung und Kollaboration

Buchpräsentation
3. März 2026
19:00 Uhr
Ort: Auditorium Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Veranstalter: Topographie des Terrors

Nach dem deutschen Überfall auf Polen entstand am 26. Oktober 1939 das „Generalgouvernement“. Von den deutschen Besatzern regiert, umfasste es etwa ein Drittel des polnischen Staatsgebiets.

In seinem Buch Polnische Bürgermeister und der Holocaust. Besatzung, Verwaltung und Kollaboration (2024) stellt Grzegorz Rossoliński-Liebe auf der Grundlage umfangreicher Archivrecherchen ausgewählte polnische Bürgermeister im Generalgouvernement vor und untersucht, wie diese sich während des Zweiten Weltkriegs verhielten. Der Autor kommt zu dem Schluss, dass polnische Bürgermeister zentrale Akteure innerhalb der nationalsozialistischen Verwaltung des Generalgouvernements waren, die unter ihren direkten Vorgesetzten, den deutschen Kreis- und Stadthauptmännern, die Kommunalpolitik mitgestalteten. Gezeigt wird, auf welche Weise und in welchem Ausmaß polnische Bürgermeister die deutschen Besatzer bei der Verfolgung und Ermordung der Juden unterstützten, aber auch, dass einige Bürgermeister Juden geholfen haben. In die Analyse werden kleine Städte wie Otwock, mittelgroße wie Tschenstochau und Metropolen wie Warschau einbezogen. 

Grzegorz Rossoliński-Liebe ist Alfred Landecker Lecturer und Privatdozent für Neuere und Neueste Geschichte am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin. Zu seinen Veröffentlichungen gehört Stepan Bandera: The Life and Afterlife of a Ukrainian Nationalist: Fascism, Genocide and Cult (2014). Mit der vorliegenden Studie wurde er an der Freien Universität Berlin habilitiert. 

Markus Nesselrodt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder). Zu seinen Veröffentlichungen zählt der Band Dem Holocaust entkommen. Polnische Juden in der Sowjetunion, 1939–1946 (2019).