Reinhard Strecker und Dr. Hans-Christian Jasch im Gespräch: Beschwiegene Vergangenheit

Vortrag/Vorlesung
5. Dezember 2010
15:30 - 00:00 Uhr
Ort: Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz
Veranstalter: Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz

Reinhard Strecker ist ein äußerst interessanter Zeitzeuge, wenn es um das politische Klima der 1950er und 1960er Jahre und die Auseinandersetzung

mit der Nazi-Vergangenheit in Westdeutschland geht. Er war u. a. Spiritus Rector der Ausstellung „Aktion Ungesühnte Nazijustiz“, die Ende November 1959 zunächst in Karlsruhe gezeigt wurde. Anschließend reiste sie als

Wanderausstellung in weitere Städte Deutschlands, nach Großbritannien und in die Niederlande. Im Visier war die Personalpolitik der Justiz in der damaligen Bundesrepublik. Schon 1948 waren hier zu 90% wieder Richter und Staatsanwälte tätig, die bereits vor 1945 in diesem Bereich arbeiteten. Reinhard Strecker und seine Mitstreiter vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund machten durch ihre Recherchen öffentlich, wo und in welchem Umfang in den Nationalsozialismus verstrickte Juristen ihre Karrieren als Richter und Staatsanwälte in Westdeutschland nahezu bruchlos fortgesetzt hatten. Seine Empörung über die skandalöse Vergangenheitspolitik der Bonner Regierung verwandelte Reinhard Strecker in konkrete Aktionen und Forderungen gegen den drohenden Schlussstrich durch Verjährung.

Reinhard Strecker: Historiker und Autor

Dr. Hans-Christian Jasch: Jurist, Rechtshistoriker, Autor einer biographischen Studie zum Staatssekretär im Reichsministerium des Innern und Teilnehmer an der Wannsee-Konferenz Wilhelm Stuckart, die 2011 erscheint