Verfolgt und als „Polenliebchen“ beschimpft

Vortrag/Vorlesung
19. April 2026
15:00 Uhr
Ort: Flachsröste 16, 23623 Ahrensbök
Veranstalter: Gedenkstätte Ahrensbök

Ihr Leben lang litt sie unter Panikattacken und gesundheitlichen Schäden als Folge ihrer Entrechtung im Nationalsozialismus. Maria Potrzeba (1927 – 2017) war 14 Jahre alt, als ihr vorgeworfen wurde, eine sexuelle Beziehung zu einem polnischen Zwangsarbeiter in ihrem Heimatdorf im Münsterland zu haben. Nach einem demütigenden Verhör prügelte die Gestapo ein falsches Geständnis aus ihr heraus. Mit der ihr angedichteten Geschichte galt sie bei den Nazis als „sexuell verworfen“ und „asozial“. Deshalb wurde sie in das Jugendkonzentrationslager Uckermark, gleich neben dem Frauen KZ Ravensbrück, eingeliefert.

„Ich kann nicht beschreiben, wie wund meine Seele war“, titelt die Eutiner Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Susanne Bienwald die Lebensgeschichte der Maria Potrzeba, die sie am Sonntag, den 19. April 2026 um 15.00 Uhr in der Gedenkstätte Ahrensbök schildern wird. Dabei wird sie auch  und insbesondere auf den Fortbestand der Ausgrenzung von NS-Opfern nach 1945 in der Bundesrepublik hinweisen. 

Im Jugend-KZ Uckermark wurde jede Form von zaghaftem Widerstand grausam bestraft. Nach außen aber behauptete die SS, die jungen Menschen würden einer strengen, aber gerechten Umerziehung unterworfen. Als Maria Potrzeba 1945 aus dem KZ nach Hause zurück ins Münsterland kam, wurde ihr auf dem Kirchplatz "Polenliebchen" hinterhergerufen. Ressentiments und Anfeindungen der Dorfbevölkerung führten dazu, dass sie ihr Heimatdorf verließ und nie wieder zurückkehrte. 
Später arbeitete Maria Potrzeba als Tagesmutter, und sie hatte drei eigene Kinder.  

Der Vortrag ist eine gemeinsame Veranstaltung des evangelischen Frauenwerks Ostholstein und der Gedenkstätte Ahrensbök. Interessierte sind eingeladen. Der Eintritt ist frei. Spenden sind willkommen.