Nordhausen, 07.09.2026 – Viele Menschen denken beim Begriff „Konzentrationslager" vor allem an Orte wie Auschwitz, Buchenwald oder Mittelbau-Dora – das letzte eigenständig gewordene nationalsozialistische Konzentrationslager entstand ab 1943 vor den Toren Nordhausens. Doch bereits unmittelbar nach ihrer Machtübernahme richteten die Nationalsozialisten erste improvisierte Lager ein – in Kellern, Werkhallen oder ehemaligen Gaststätten – und damit inmitten der deutschen Gesellschaft. Mit brutaler Gewalt versuchten die Nationalsozialisten hier jeglichen Widerstand gegen die Etablierung ihrer Herrschaft zu brechen. Heute sind diese frühen Konzentrationslager weitgehend vergessen. Mit einem Vortrag am Dienstag, 15. September 2026, um 18 Uhr in der Stadtbibliothek Nordhausen, rückt Historiker und Stiftungsdirektor Jens-Christian Wagner zwei frühe Konzentrationslager in Thüringen in den Mittelpunkt – in Nohra bei Weimar und in Bad Sulza. Damit richtet er den Blick auf die Anfänge des NS-Regimes und zeigt, wie schnell die Nationalsozialisten den Rechtsstaat aushebeln und ihre Macht mit skrupellosem Terror festigen konnten. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei. Der Historiker Jens-Christian Wagner zählt zu den profiliertesten Expert:innen zur Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Nach seiner Promotion mit einer Studie zur Geschichte des KZ Mittelbau-Dora leitete er von 2001 bis 2014 die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora in Nordhausen. Anschließend war er bis 2020 Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen. Seit 2020 ist er Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora und Professor für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Das KZ Mittelbau-Dora steht exemplarisch für die Geschichte der KZ-Zwangsarbeit und der Untertageverlagerung von Rüstungsfertigung im Zweiten Weltkrieg. Heute ist die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora in Nordhausen ein international bedeutender Bildungs- und Gedenkort. Sie wird jährlich von etwa 60.000 Menschen besucht und ist Teil der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora mit Sitz in Weimar. Mehr Infos hier.