Die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück eröffnet am Sonntag, 13. September 2026, um 13:30 Uhr die Sonderausstellung „Die Pappelallee: Ein alternatives Archiv“ der israelischen Künstlerin Rotem Bidas. Die Eröffnung findet im Rahmen des bundesweiten Tags des offenen Denkmals statt. Simone Erpel, Vorsitzende des Internationalen Freundeskreises der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück e. V., und Aliena Stürzer, Leiterin der Museologie der Gedenkstätte, werden die Gäste begrüßen. Es folgen eine Einführung von Rotem Bidas und Kurator Yarden Stern sowie ein Rundgang durch die Ausstellung. Der 13. September ist zugleich Rosch ha-Schana, das jüdische Neujahrsfest. Im Anschluss lädt die Gedenkstätte deshalb zu einem süßen Gruß ins neue Jahr ein. Ab 15.00 Uhr führt Aliena Stürzer in einem Rundgang über das Gelände. Im Frühjahr 2027 werden öffentliche Gespräche und Workshops die Ausstellung begleiten. „Ich gehe auf demselben Weg und sehe dieselben Bäume mit üppigen Kronen – wenn sie nur sprechen könnten“, schrieb die Überlebende Batsheva Dagan im Jahr 2002 bei einem Besuch in Ravensbrück. Um diese Bäume geht es in der Ausstellung von Rotem Bidas, die seit 2023 auf dem Gelände des ehemaligen Frauen-Konzentrationslagers künstlerisch arbeitet und dabei einer Frage nachgeht, die sich drängender denn je stellt: Was bleibt von Ravensbrück, wenn es keine Überlebenden mehr gibt, die davon erzählen? Bidas sucht die Antwort in der Landschaft selbst. Denn die Natur war in Ravensbrück nie neutral. Beim Ausbau des Lagers ließ die SS Reihen schnellwachsender Pappeln pflanzen, die so selbst Teil einer Topographie der Macht wurden. Inzwischen sind die meisten dieser Pappeln gefallen. Ihre mächtigen Baumstämme liegen bis heute auf dem ehemaligen Lagergelände. Rotem Bidas hat die Baumrinde und Schnittflächen dieser Stämme zwischen 2023 und 2026 als großformatige Abdrücke und Frottagen im Maßstab 1:1 auf Papier übertragen. So wird das vom Lager gezeichnete Gelände zu einem Archiv, in dem die Bäume zu Zeugen werden. „Die Erinnerung an Ravensbrück war über Jahrzehnte an die der Überlebenden gebunden. Nun stehen wir an der Schwelle zu einer Zeit, in der wir uns verdeutlichen müssen, welche Bedeutung die historischen Orte für uns haben. Diese Ausstellung nimmt den historischen Ort in dieser Situation ernst und fragt, was er selbst über die Geschichte des Lagers weiß“, sagt Andrea Genest, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Die israelische bildende Künstlerin Rotem Bidas beschäftigt sich in Druckgrafik, Zeichnung, Fotografie und Installation mit dem Fortwirken von Geschichte in. Die Ausstellung ist bis zum 10. Mai 2027 im ehemaligen Wasserwerk zu sehen. Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung findet in englische Sprache ohne Verdolmetschung statt. Anmeldung erbeten bis 9. September unter gerberich@ravensbrueck.de. Gefördert durch den Internationalen Freundeskreis der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück e. V., die Dr. Hildegard Hansche Stiftung, die Kulturabteilung der Botschaft des Staates Israel und das Weiss-Livnat International Center for Holocaust Research and Education der Universität Haifa.