Austauschplattform am 19. März 2026

Künstliche Intelligenz in der Bildungsarbeit – Praxis und offene Fragen

Mit dem zweiten kollegialen Austausch des Jahres griff das Vernetzungsprogramm JUGEND erinnert vernetzt am 19. März 2026 ein Thema auf, das in den Bedarfsabfragen seit Monaten ganz oben stand: den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der historisch-politischen Bildungsarbeit. Das digitale Treffen fand von 12:00 bis 14:00 Uhr auf Zoom statt und richtete sich an die Projektträger:innen der Förderschienen JUGEND erinnert vor Ort und JUGEND erinnert engagiert. Anders als beim Workshop-Format mit externen Expert:innen wurde dieser Termin als kollegialer Austausch konzipiert – mit einem Impuls aus den eigenen Reihen, einer praxisorientierten Sequenz aus der Programmkoordination und einer abschließenden gemeinsamen Diskussion.

Den inhaltlichen Auftakt übernahm Anton Tsirin vom Kibbuz e.V., der ein Projekt vorstellte, in dem Schüler:innen mithilfe von KI-Tools eigenständig historische Stadtführungen entwickelt haben. Tsirin schilderte, wie die pädagogische Rahmung dieses Vorhabens aussah – von der inhaltlichen Vorbereitung der Schüler:innen über die didaktische Begleitung beim Umgang mit den Werkzeugen bis hin zur kritischen Überprüfung der von der KI generierten Inhalte durch die Gruppe selbst. Im Mittelpunkt seines Berichts stand die Frage, wie sich Quellentreue und historische Verantwortung im Projekt verankern lassen, ohne den explorativen und experimentellen Charakter, der für die Motivation der Jugendlichen entscheidend war, zu untergraben. Anschaulich wurde dabei, dass der pädagogische Mehrwert weniger in der Technologie selbst lag als in den Aushandlungsprozessen, die ihr Einsatz in der Gruppe auslöste: Was ist eine zulässige Quelle? Wo fängt Erfindung an? Wer trägt die Verantwortung für das, was am Ende auf der Stadtführung erzählt wird?

An den Impuls schloss sich eine offene Diskussion an, in der die Teilnehmenden eigene Berührungspunkte mit KI in ihrer Projektarbeit teilten. Berichtet wurde von KI-generierten Bildern in Bildungsmaterialien, vom Einsatz von Sprachmodellen in der Vorbereitung von Workshops, von experimentellen Avataren historischer Figuren – aber auch von einer wachsenden Skepsis gegenüber Formaten, die historische Personen simulieren und damit die Grenze zwischen Zeugnis, Theater und Spekulation verwischen. Mehrfach wurde die grundsätzliche Frage gestellt, ob bestimmte spielerische Anwendungen der erinnerungskulturellen Bildungsarbeit tatsächlich dienen oder ob sie nicht eher in Richtung eines Geschichtserlebnisses driften, das mehr mit Inszenierung als mit Vermittlung zu tun hat. Die Diskussion blieb in dieser Hinsicht ergebnisoffen und brachte gerade dadurch sichtbar, wie unterschiedlich die Projekte des Netzwerks die Chancen und Grenzen der Technologie einschätzen.

In einer kurzen, kompakt gehaltenen Praxissequenz gab Programmkoordinator Jakub Stanczyk anschließend einen Überblick über Grundlagen des Prompt-Engineerings und über Anwendungsbereiche, die für die alltägliche Projektarbeit nützlich sein können – etwa beim Strukturieren von Texten, bei Übersetzungsaufgaben, bei der Aufbereitung von Materialien für unterschiedliche Zielgruppen oder bei der Vorbereitung von Workshops. Ebenso wurden die strukturellen Grenzen der gängigen Werkzeuge benannt: ihre Tendenz zur Halluzination, ihre Schwierigkeiten mit historischer Genauigkeit, ihre stilistischen und sprachlichen Eigenheiten, ihre datenschutz- und urheberrechtlichen Implikationen sowie die politische und ökologische Dimension der zugrundeliegenden Infrastruktur.