Museumsquartier Osnabrück / Villa_
Das Projekt „Ambivalenz verstehen“ der Villa_ Forum Erinnerungskultur und Zeitgeschichte überführt historisch-politische Bildungsarbeit in den digitalen Raum und verbindet sie mit Methoden der Künstlichen Intelligenz. Ziel ist es, Demokratiebewusstsein, Medienkompetenz und gesellschaftliche Verantwortung im digitalen Raum zu stärken.
Im Zentrum steht die ambivalente Biografie Osnabrücker Juristen Hans Georg Calmeyer. Er hat während des Nationalsozialismus Juden gerettet, sich zugleich jedoch am NS-Terror mitschuldig gemacht. Diese Spannung zwischen Mitverantwortung und moralischen Grauzonen bildet den Ausgangspunkt für die Bildungsarbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die befähigt werden sollen, sich in partizipativen, niedrigschwelligen Formaten mit den Grauzonen historischer Verantwortung auseinanderzusetzen. Sie begegnen nicht nur einem historischen Stoff, sondern lernen, ihn in die Gegenwart zu übertragen: Was bedeuten Handlungsspielräume und Mitverantwortung heute? Wie zeigen wir Zivilcourage in einer Demokratie? Wie unterscheiden sich moralische Dilemmata damals und heute?
Die Villa_ als ehemaliger NSDAP-Sitz in Osnabrück, bietet dafür einen authentischen Lernort. Aufbauend auf bestehenden Workshops, Führungen und der Ausstellung entwickelt das Projekt digitale Formate wie Social-Media-Clips, Interviews und interaktive Inhalte. Gemeinsam mit der FH Wedel entsteht eine KI-gestützte Dialoganwendung, die historische Quellen nutzt, um unterschiedliche Perspektiven auf Calmeyers Handeln erfahrbar zu machen. Jugendliche wirken aktiv an Fragen, Inhalten und Medienproduktionen mit. Ziel ist die Verbindung von Erinnerungskultur, Medienkompetenz und kritischer Reflexion über KI.
Langfristig soll ein modulares Bildungsangebot entstehen.