Das Landecker Digital Memory Lab

10/2026Gedenkstättenrundbrief 223, S. 24-41
Victoria Grace Richardson-Walden

www.digitalmemorylab.com 

 

Das Landecker Digital Memory Lab ist ein von der Alfred Landecker Foundation finanziertes 5-Jahres-Projekt an der britischen University of Sussex. Seine Hauptaufgabe ist, der weltweiten Erinnerung an den Holocaust im digitalen Zeitalter Nachhaltigkeit zu verleihen. Diese Aufgabe wurde bewusst sehr präzise formuliert: Das Lab glaubt nicht an digitale Erneuerungen und Fortschritte um ihrer selbst willen, sondern setzt sich kritisch mit den Möglichkeiten und Problemen des Einsatzes digitaler Medien auseinander, um sie bestmöglich für die Erinnerung an und die Kenntnisse über den Holocaust zu nutzen.

 

In der Praxis gibt es schon seit über 30 Jahren die digitale Erinnerung an den Holocaust. Sie begann mit der Verbreitung des World Wide Web – zunächst mit Webseiten von Amateuren über historische Persönlichkeiten wie Anne Frank; dann richteten größere Institutionen, die sich dem Gedenken an den Holocaust widmen (wie das United States Holocaust Memorial Museum und Yad Vashem), Webseiten ein und gaben CD-ROMs heraus. Obwohl sich diese Praxis in den letzten drei Jahrzehnten immer weiterentwickelte, gibt es kaum Leitlinien für die Nutzung neuer Technologien auf diesem Gebiet. In Museen und Gedenkstätten kann der Zugang zu digitaler Kompetenz, Kapazität und Infrastruktur bestenfalls als hier und da vorhanden und schlimmstenfalls als so gut wie gar nicht existent beschrieben werden und der Forschungsbereich hat erst in den letzten Jahren damit begonnen, sich zu definieren.

 

Das Lab konzentriert sich auf sechs wichtige Arbeitspakete: 

  • den Forschungsbereich digitale Holocaust-Erinnerung zu definieren,
  • durch die Schaffung der Digital Memory Data­base (kostenlose Registrierung auf der 
  • Website www.digitalmemorylab.com/database) 
  • sowohl den in der Praxis als auch den in der Forschung Tätigen Zugang zu dem Reichtum an Kenntnissen, Erfahrungen und Projekten zu ermöglichen, der die digitale Holocaust-Erinnerung in den letzten 30 Jahren prägte,
  • mithilfe einer Reihe von Design Sprints und der Open-Access-Publikationsplattform Digital Memory Dialogues (www.digitalmemorydialogues.com) den transdisziplinären Dialog und die Co-Creation über Sektoren und Nationen hinweg zu fördern,
  • durch drei große internationale Veranstaltungen den Austausch bewährter Verfahren aus aller Welt zu ermöglichen – die erste dieser Veranstaltungen war die Connective Holocaust Commemoration Expo im Juni 2025 an der Universität Sussex
  • durch eine Reihe kostenloser Online-Lernmodule und Leitfäden digitale Kompetenzen und Kapazitäten im Bereich der Holocaust-­Erinnerung und -Bildung aufzubauen sowie kostenlose Beratung für digitale Holocaust-­Projekte zu bieten,
  • in enger Zusammenarbeit mit den wichtigsten in diesem Bereich Arbeitenden eine Strategie-Agenda und Fördermöglichkeiten zu erarbeiten.
  • Soweit möglich, sind all unsere Publikationen zu Forschung und Strategien auf unserer Webseite veröffentlicht: www.digitalmemorylab.com 

 

Transdisziplinarität, Zuhören und gemeinsame Gestaltung

Wir sind nicht nur ein Forschungszentrum, sondern auch ein Netzwerk mit Fokus auf forschungsbasierter öffentlicher Beteiligung und Wirkung. In unserer Arbeit legen wir besonderen Wert auf Transdisziplinarität, Zuhören und Co-Creation. Wir wollen unsere Forschungsergebnisse nicht einfach an unsere Zielgruppen weitergeben, sondern uns vielmehr ihre Bedürfnisse anhören und mit ihnen arbeiten. Unsere fünf wichtigsten Zielgruppen sind:

 

  • Organisationen, die im Bereich Holocaust-Erbe und Holocaust-Bildung arbeiten
  • Akademiker:innen aus vielen verschiedenen Disziplinen
  • Fachleute aus den Bereichen Kreativität und Technologie
  • Förderer
  • politische Entscheidungsträger

 

Ein Problem, das wir in der heutigen zunehmend digitalen Erinnerungslandschaft zum Holocaust sehen, ist, dass es zwar ein vielfältiges und weit verbreitetes Fachwissen gibt, aber dass die verschiedenen Akteur:innen oft nicht miteinander in Kontakt kommen. Zudem bemerken wir in unserer Forschungsarbeit häufig, dass unsere Projektpartner in Gesprächen über Technologie offenbar »unterschiedliche Sprachen sprechen« – Begriffe wie »User Testing«, »Rekonstruktion«, »Immersion«, »Interaktivität« und viele andere können in den einzelnen Disziplinen ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. Eines der Ziele des Labs ist, dieses Verständigungsproblem zu überwinden.

 

Krise in der Holocaust-Erinnerung

Eine kürzlich von uns durchgeführte Umfrage machte deutlich, mit welchen Herausforderungen Organisationen, die sich der Holocaust-Erinnerung und -Bildung widmen, zu kämpfen haben, wenn sie digitale Medien in ihre Arbeit einbeziehen wollen. Zu den Problemen gehören:

 

  • Es fehlt an adäquat qualifiziertem Personal (42,52 % der 127 weltweit befragten Organisationen haben nicht mal eine einer Vollzeitstelle entsprechende Arbeitskraft, die irgendwie mit »Digitalem« beschäftigt ist).
  • Trotz zunehmender Feindseligkeiten auf den Social-Media-Kanälen gibt es kaum emotionale Unterstützung für die Mitarbeitenden, die damit umgehen müssen (42,52 % berichteten, dass die Zahl der Hassbotschaften seit dem 7. Oktober 2023 gestiegen ist).
  • Neue Technologien tragen nicht zwangsläufig zur Lösung von Problemen bei. Beispielsweise gaben 37,08 % an, KI-Tools zu nutzen, aber es besteht keine Korrelation zwischen der Einführung von KI und personalbedingten Problemen. Und offenbar gibt es mehr technologische Probleme in Institutionen, die KI einsetzen.
  • Die meisten der befragten Organisationen (80,31 %) haben keine digitale Strategie; und unsere Umfrage legt nahe, dass eine solche Strategie den Organisationen, die eine haben, nicht bei der Problembewältigung hilft. Es gibt daher keinen Nachweis für eine erfolgreiche Anwendung und regelmäßige Bewertung von digitalen Strategien.
  • Von wenigen Ausnahmen abgesehen, steckt der Sektor digital gesehen irgendwo zwischen Web 1.0 und Web 2.0, während die digitale Kultur sich auf Web 3.0 zubewegt. Man hat daher das Gefühl, dass die Holocaust-Erinnerung und -Bildung der Technologie hinterläuft, statt neue Entwicklungen vorausschauend einzuplanen.

 

Im Gegensatz dazu sorgen böswillige Akteure dafür, dass im Internet immer mehr Botschaften mit Verzerrungen und Verherrlichungen des Holocaust auftauchen. Dazu gehören einerseits ausgeklügelte Kampagnen, die mit viel Geld und von politischen Regimen angetrieben werden. Andererseits geht es oft darum, Profite zu machen, häufig ohne viel darüber zu wissen, was der Holocaust überhaupt ist: Der »tabuartige« Charakter des Holocaust bedeutet, dass man mit dem Thema in den sozialen Medien beachtliche Gewinne erzielen kann (vor allem das hat zu den vielen sogenannten KI-Slops geführt).

 

Unsere Umfrage macht deutlich, dass das digitale Fachwissen im Bereich der Holocaust-Erinnerung gewaltig dem dieser böswilligen Akteure hinterherhinkt. Deshalb hoffen wir, mit unserer Arbeit im Lab zu mehr koordinierten Anstrengungen beizutragen, im digitalen Raum angemessene, historisch differenzierte und sich kritisch mit dem Thema auseinandersetzende Inhalte zum Holocaust sichtbar zu machen. Im Vordergrund unserer Arbeit steht auch immer die Notwendigkeit, sich in die 

spezifische Logik der verschiedenen digitalen Medien hineinzudenken und zu überlegen, was sie für die Holocaust-Erinnerung leisten können, was vorhergehende Medien nicht konnten. Einfach gesagt, fragen wir uns immer: Was ist tatsächlich »neu« an dem, was als Einsatz »neuer Medien« in der Holocaust-Erinnerung bezeichnet wird? Und inwieweit lohnt es sich überhaupt, diese Technologien zu übernehmen? 

 

Was wir machen 

 

Ich möchte den Rest dieses Artikels dazu nutzen, unsere Arbeit in jedem der Arbeitspakete vorzustellen und dabei Beteiligungsmöglichkeiten für all diejenigen herauszustellen, die in der Praxis und der Forschung zur Holocaust-Erinnerung und -Bildung arbeiten. Verstehen Sie dies bitte als eine ernstgemeinte Einladung – zwar arbeitet das Kernteam des Landecker Digital Memory Lab an der Universität Sussex, aber wir sind eine globale Gemeinschaft und alle, die sich für diesen Themenbereich interessieren, sind herzlich willkommen, sich uns anzuschließen.

 

Den Forschungsbereich digitale Holocaust-Erinnerung definieren

Dieses Paket könnte man als das traditionellste unserer Arbeitsgebiete bezeichnen, denn hier geht es um die Erstellung von Forschungsbeiträgen. Diese decken drei Themenbereiche ab: (1) methodische Ansätze unserer Digital Memory Database und des Lab; (2) Definitionen des Begriffs »Digitale Holocaust-Erinnerung« und die historische Einordnung des »interaktiven Paradigmas«, um nur zwei Beispiele zu nennen; (3) gründliche Analyse und Auswertung der Gespräche, die wir mit Fachleuten führen, die an der Gestaltung von Projekten zur digitalen Holocaust-Erinnerung arbeiten. Unsere Projektleiterin, Prof. Victoria Grace Richardson-Walden, schreibt gerade eine Monographie mit dem Titel Digital Holocaust Memory: Hyperconnective Museums and Archives of the Future. Wir arbeiten an der Bildung einer Forschungskultur rund um das Feld »digitale Holocaust-Erinnerung« und veranstalten dazu gelegentlich Online-Podiumsdiskussionen, präsentieren unsere Forschung auf Präsenzkonferenzen rund um die Welt und laden Gastwissenschaftler:innen ein. Darüber hinaus organisieren wir auch Veranstaltungen an der Universität Sussex, darunter öffentliche Vorträge und Gelegenheiten zur Netzwerkbildung, um diesen Arbeitsbereich auf eine koordinierte Weise voranzubringen.

 

Digital Memory Database 

Diese Plattform ist unser Aushängeschild und unsere wichtigste Ressource. Sie wurde entwickelt, um Forschenden erstmals die Möglichkeit zu bieten, digitale Holocaust-Projekte auf globaler Ebene zu erkunden. Projekte, die sonst vielleicht nur in Museen vor Ort zu besichtigen wären, können jetzt gleichzeitig betrachtet und miteinander verglichen werden. Auf der ersten Ebene werden die wesentlichen Informationen über digitale Projekte in einer Datenbank präsentiert (bisher haben wir 400 Projekte erfasst und es werden ständig mehr; diese Projekte werden nach und nach auf ihre Richtigkeit überprüft und dann in das Content Management System eingegeben). Auf einer höheren Ebene sammeln wir »Walkthroughs« digitaler Projekte und Gespräche mit Personen, die an der Schaffung und Veröffentlichung dieser Projekte beteiligt waren. Als »Walkthroughs« bezeichnen wir unsere Aufzeichnungen von Nutzererfahrungen eines digitalen Projekts von (einem) Anfang bis zu (einem) Ende (wobei uns natürlich bewusst ist, dass häufig mehrere narrative Erfahrungen möglich sind).

 

Die Gespräche geben die ungefilterten ­Erfahrungen der Fachleute wieder – von der ­Finanzierung über praktische Dilemmas, Pro­bleme bei der transdisziplinären Kommunikation und technische Schwierigkeiten bis hin zu Einschränkungen bei der Erfassung von Wirkungsanalysen und einem authentischen Gespür dafür, ob diese Projekte wirklich Einfluss auf die Erinnerungskultur und die Holocaust-Kenntnisse von Besucher:innen bzw. Nutzer:innen haben. Zu den Gesprächspartner:innen gehören Museumsleitungen, Überlebende, Mitarbeitende im Besucherbereich, Kurator:innen, Archivar:innen, Museumspädagog:innen, Mitarbeitende aus den Bereichen kreative Technologie und kreative Produktion, Filme­macher:innen, Drehbuchautor:innen, Social-Media-Influencer:innen, Programmierer:innen und Lehrer:innen. Während der akademische Diskurs einen Übergang von der »Ära des Zeugen« (Wieviroka 2006) zur »Ära des Nutzers« (Hogervorst 2020) als entscheidenden Faktor für die näherrückende Zeit ohne Überlebende, aber mit zunehmender Digitalität definiert, machen unsere Gespräche jedoch deutlich, dass die Sache nicht ganz so simpel ist. Tatsächlich wird die digitale Holocaust-Erinnerung (und auch die Holocaust-Erinnerung generell) von einer unglaublich diversen und immer größer werdenden Bandbreite an Akteur:innen geprägt – sowohl menschlichen als auch nicht-menschlichen.

 

Wir bitten Personen aus Organisationen, deren Arbeit sich dem Holocaust und allgemeiner der faschistischen und NS-Vergangenheit der 1930er- und 1940er-Jahre widmet und die digitale Projekte haben, mit uns Kontakt aufzunehmen. Unser Anspruch ist, so viele Beispiele digitaler Arbeit wie möglich – aus Vergangenheit und Gegenwart – in unsere Datenbank aufzunehmen. Damit wollen wir all jenen, die in Holocaust-Museen und -Gedenkstätten arbeiten, dabei helfen, das Gefühl loszuwerden, sie müssten das Rad neu erfinden, wenn sie ein ihnen noch nicht vertrautes Medium nutzen wollen. Es gibt schon so viele praktische Beispiele, von denen man lernen kann, und die Digital Memory Database bietet einen Ort, an dem man leicht auf diese Beispiele zugreifen kann. Zu den Organisationen, die durch Walkthroughs und Gespräche auf der Plattform präsentiert werden, gehören: das Anne Frank Huis, die Gedenkstätte Westerbork (beide in den Niederlanden), die Gedenkstätten Bergen-Belsen, Neuengamme, Dachau (alle in Deutschland), das jüdische Zentrum in Auschwitz (Polen) und das Falstadzentrum (Norwegen). Bis heute wurden insgesamt 172 Projekte in die Datenbank aufgenommen (weitere ca. 330 sind in Vorbereitung).

 

Die Registrierung für die Datenbank ist kostenlos, aber man muss sich mit einer geeigneten professionellen E-Mail-Adresse anmelden, die von unserem Team manuell überprüft wird. Diese Vorsichtsmaßnahme ist nötig, um unseren Gesprächspartner:innen den bestmöglichen Datenschutz zu gewähren.

 

Design Sprints 

Bis zum Ende der Projektlaufzeit (2029) werden wir acht dieser einwöchigen Veranstaltungen durchführen – in Serbien, Deutschland, den Niederlanden, Polen, Norwegen, Großbritannien, Brasilien und Australien. Bei jeder dieser Veranstaltungen arbeiten wir mit einem vor Ort ansässigen Projektpartner zusammen – in der Regel mit einer Organisation, die im Bereich Holocaust-Erbe aktiv ist. Die Design Sprints bringen Fachleute aus den Bereichen Wissenschaft, Holocaust-Erbe und -Bildung sowie Kreativ- und Technologie-Expert:innen zusammen, um die spezifischen regionalen Probleme zu diesem Thema zu erkunden und gemeinsam digitale Lösungen zu erarbeiten. Dabei zielen wir nicht auf die Schaffung einer weiteren temporären digitalen Ausstellung, einer kurzfristigen App oder eines Videogames ab, sondern konzentrieren uns auf stärker vernetzte, langfristigere und nachhaltigere Ansätze.

 

An unserem ersten Design Sprint im Mai 2026 in Serbien nahmen 27 Personen aus ganz Europa und eine aus den USA teil. Aus dieser Veranstaltung gingen unter anderem diese beiden Projekte hervor: 

  • Eine App-Infrastruktur, mit der Lehrkräfte es ihren Schülern ermöglichen können, eigene Recherchen zu historischen Ereignissen durchzuführen, die in physischen Gedenkstätten nicht gezeigt werden, und Ausstellungen zusammenzustellen, die dann mit anderen in der App verbunden werden.
  • Eine Plattform, die es Gruppen ermöglicht, gemeinsam Projekte zu Klanglandschaften zu erzeugen, die an Orten erlebt werden können, an denen das Gedenken an ihre Vergangenheit in der heutigen Landschaft kaum noch präsent ist.

 

Digital Memory Dialogues 

Diese Open-Access-Publikationsplattform eröffnet neue Wege, interessierten Menschen Forschungsberichte zu digitalen Entwicklungen unmittelbar zugänglich zu machen, ohne die im akademischen Verlagswesen üblichen Verzögerungen (ohne dabei die wissenschaftliche Sorgfalt zu vernachlässigen). Zudem bringt sie die akademische Forschung in einen Dialog mit der Praxis – sowohl mit der der Kreativ- und Tech-Welt als auch mit der im Bereich Kulturerbe und Bildung –, wobei all diese Perspektiven als wertvolle Beiträge zur Weiterentwicklung des Fachgebiets anerkannt werden.

 

Jeder Dialogue folgt einem sehr spezifischen Format: Ein Gastredakteur schreibt einen provokativen Artikel, der mit einer Reihe von Fragen abschließt. Vier Einzelpersonen oder Teams aus den Bereichen Wissenschaft, Holocaust-Erbe und -Bildung sowie Kreativ- und Tech-Welt werden eingeladen, die Fragen zu beantworten und ihre Beiträge mit weiteren Fragen zu versehen. Die Verfasser:innen begutachten gegenseitig ihre Beiträge, womit der »Dialog« beginnt. Die Beiträge werden dann von Woche zu Woche veröffentlicht und führen zu einer Online-Live-Diskussion, an der alle Anwesenden sich beteiligen können. Bisher haben wir zwei Serien veröffentlicht: (1) mit dem Schwerpunkt Computerspiele: Kann man den Holocaust spielbar machen? (2) KI und Holocaust-Erinnerung.

 

Internationale Veranstaltungen

Im Jahr 2025 organisierten wir die Connective Holocaust Commemoration Expo an der Universität Sussex. Es war die erste Veranstaltung dieser Art weltweit: Sie brachte unsere wichtigsten Zielgruppen zusammen, nicht nur um Vorträge über die digitale Holocaust-Erinnerung zu halten, sondern auch um gegenseitig noch in Arbeit befindliche Projekte zu begutachten und auszuprobieren. Neben den traditionellen Reden, Gesprächen am Runden Tisch und wissenschaftlichen Podiumsdiskussionen gab es auch Workshops, Präsentationen, eine Meisterklasse, »Let’s Play«-Sessions, Mittagessen zur Netzwerkbildung und einen »Mini-Hack«. Zudem hatten wir ein Ausstellungszentrum und eine Spielhalle, die sich ausschließlich auf Projekte im Zusammenhang mit dem Holocaust konzentrierten. An diesen drei mit viel Programm gefüllten Tagen besuchten 175 Personen unseren Campus. Unsere nächste Veranstaltung findet vom 8. bis 12. November 2027 in München statt. Diese bezeichnen wir vorläufig als Forum und nicht als Expo, weil wir eine Veränderung gegenüber der ersten Veranstaltung hervorheben wollen, bei der es vorrangig darum ging, herauszufinden, wo wir als globaler Sektor stehen. In München soll es eher eine Zusammenkunft sein, auf der wir Wege erkunden, wie wir zukünftig enger auf gemeinsame Ziele hinarbeiten können. Wir freuen uns sehr darauf, mit einer Reihe von lokalen Partnerorganisationen zusammen­zuarbeiten. Weitere Informationen folgen.

 

Wer sich für eine Teilnahme an einer unsere künftigen Veranstaltungen – den internationalen oder unseren Design Sprints – interessiert, sollte sich in unseren E-Mail-Verteiler eintragen. Das Kontaktformular ist hier: 

www.digitalmemorylab.com/contact/ 

 

Aufbau digitaler Kompetenzen und Kapazitäten

Die Sammlung an Gesprächen und Walkthroughs für die Digital Memory Database hat das Lab in die einmalige Lage versetzt, einen wirklich globalen Einblick in die Herausforderungen und Möglichkeiten zu haben, die hinter den Kulissen bei der Schaffung digitaler Projekte bestehen, sowie in die Auswirkungen neuer Technologien. Derzeit arbeiten wir daran, dieses Wissen in »verdaubaren Häppchen« an diejenigen weiterzugeben, die im Holocaust-Bereich in Museen, Gedenkstätten, Bildungseinrichtungen, Archiven und Bibliotheken tätig sind. In diesem Zusammenhang arbeiten wir gerade an drei Vorhaben: (1) Wir bieten weiterhin kostenlose Beratung für alle, die digitale Projekte entwickeln, und zwar sowohl innerhalb des Bereichs der Holocaust-Erinnerung und -Bildung als auch darüber hinaus. (2) Wir publizieren Leitfäden, dazu gehört auch der Bericht über unsere Umfrage, sowie einige demnächst erscheinende Schriften zu den Themen (a) soziale Medien, (b) erweiterte Realität, (c) KI-Strategie, (d) Digitalstrategie und (e) Methoden für User-Testing, Wirkungsanalyse und Co-Creation. (3) Wir erstellen eine Serie von im eigenen Tempo absolvierbaren Online-Lernmodulen, die Kompetenzen in den Bereichen vermitteln, die unserer Forschung zufolge am dringendsten weiterentwickelt werden müssen.

 

Strategische Interventionen 

Gleich am zweiten Tag nach der Gründung des Lab (im Juni 2024) organisierten wir zusammen mit dem »Holocaust and the United Nations Outreach Programme« eine Veranstaltung für politische Entscheidungsträger und Förderorganisationen. Anschließend veröffentlichten die Vereinten Nationen unser für diese Veranstaltung erstelltes Arbeitspapier mit dem Titel Sustainable Digital Futures for Holocaust Memory 

and Education: Recommendations for Funders and Policymakers. Als Großbritannien 2024 den Vorsitz der IHRA innehatte, bot sich uns die Gelegenheit, den IHRA-Delegierten auf ihrer KI-Konferenz und in dem ihr vorausgehenden Online-Training ein Strategie-Papier zu präsentieren. Zudem haben wir dem britischen Oberhaus zu seiner Untersuchung über digitale Kompetenzen (in Großbritannien) Fakten vorgelegt. Wir werden auch weiterhin an Workshops und Diskussionsforen teilnehmen, die sich auf die Entwicklung von Strategien in diesem Bereich konzentrieren.

 

Die internationale Gemeinschaft des Lab wird immer größer – derzeit sind über 1.000 Einzelpersonen in unserem E-Mail-Verteiler eingetragen. Unsere kürzlich durchgeführte Umfrage (siehe oben) macht überaus deutlich, dass wir im Bereich Holocaust-Erinnerung und -Bildung in einer Krise stecken. Wir heißen alle Interessierten herzlich willkommen, sich an unseren Aktivitäten zu beteiligen, würden uns aber vor allem freuen, wenn nicht nur diejenigen teilnehmen, die sich in ihren Organisationen für digitale Projekte einsetzen, sondern auch Personen in leitenden und geschäftsführenden Funktionen, Kuratoriumsmitglieder, Vorstände und alle, die digitalen Projekten gegenüber skeptisch sind. Das Verständnis von »digitalen Medien« basiert häufig auf Annahmen statt auf wissenschaftlich fundierten Kenntnissen – die Narrative werden natürlich von den großen Tech-Konzernen verbreitet. Im Lab hinterfragen wir vorgefasste Meinungen, setzen uns kritisch mit digitaler Logik, Materialitäten und Technologien auseinander und begrüßen alle, die sich an unserem intellektuellen und praktischen Austausch und der gemeinsamen Gestaltung beteiligen wollen. Wir hoffen, in einer Welt, die immer diverser wird, einen Raum zum Zuhören und Lernen zu bieten.

 

Prof. Victoria Grace Richardson-Walden ist Direktorin des Landecker Digital Memory Lab.