Merkmale der Gedenkstätten für NS-Opfer

Gedenkstätten für NS-Opfer in Deutschland sind durch drei Merkmale gekennzeichnet:

1. Ortsbezug 

Gedenkstätten befinden sich in der Regel entweder an unmittelbaren Tatorten von NS-Verbrechen oder aber an Orten, die ein Verständnis der Struktur dieser Verbrechen fördern. Die jeweilige Geschichte am Ort des Geschehens, ebenso wie das Gedenken an die Opfer wird in Gedenkstätten vermittelt, bewahrt und dokumentiert. 

Die Stätten sind zur besseren Übersicht elf historischen Tatkomplexen zugeordnet:

2. Ausstellung

Öffentlich zugängliche Ausstellungen thematisieren in Gedenkstätten die jeweilige Orts-Geschichte, Informationstafeln oder historische Lehrpfade verweisen auf die authentischen Spuren des Geschehens. Seit der Befreiung vom NS-Regime haben historische Orte und Gebäudekomplexe häufig umfangreiche Veränderung erfahren. Oft sind sie verfallen, wurden abgerissen oder umgebaut. 
Ausstellungen befinden sich daher oft in historischen Gebäuden, die unter Sichtbarmachung des vorherigen Zustandes zu modernen Ausstellungsgebäuden umgebaut wurden. Zum Teil werden weitläufige Lagergelände – mit Baracken, Arbeitsorten, besonderen Mordstätten – auch durch Open Air-Ausstellungen erläutert.
 

3. Institution

Kennzeichnend für Gedenkstätten ist weiter, dass sie eine Institution sind, die kontinuierlich Vermittlungsangebote bereitstellt und als Ansprechpartnerin für historische Fragen zur Verfügung steht, insbesondere auch hinsichtlich des Schicksals einzelner Opfer.
Dabei ist die Spannbreite groß: Sie reicht von kleinen, ehrenamtlich getragenen Initiativen und Einrichtungen mit nur wenigen hauptamtlichen Mitarbeitenden bis hin zu großen Gedenkstätten, die als Erinnerungsort weltweit bekannt sind und in denen Dutzende feste und freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig sind.

Unterscheidung zu anderen Gedenkstätten

Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus lassen sich sowohl von Denkmälern und Museen wie auch von Gedenkstätten mit anderen historischen Bezügen unterscheiden:

Neben Gedenkstätten erinnern in Deutschland in großer Zahl Denkmale an die Opfer des Nationalsozialismus, sei es als künstlerische Ensembles, in Form von Skulpturen oder Tafeln. Weit verbreitet sind die Stolpersteine, von denen mittlerweile europaweit mehr als 75.000 an NS-Verfolgte erinnern. Allerdings gibt es bei Denkmalen in der Regel keine arbeitende Institution, die historische Auskünfte geben oder Bildungsangebote machen könnte. Denkmale können auch in Gedenkstätten stehen.

Gedenkstätten unterscheiden sich weiterhin von Museen:
Zeithistorische Museen haben die Aufgabe, die Geschichte im Überblick zu erläutern. Sie sind zumeist nicht mit historischen Tatorten verbunden und sehen es nicht als ihr Ziel an, die Geschichte mit den Augen der Verfolgten zu erzählen und diese damit zu würdigen.

Neben den Erinnerungs- und Lernorten für die Opfer des Nationalsozialismus gibt es in Deutschland auch Gedenkstätten, die an Opfer der Staatsverbrechen in der Sowjetischen Besatzungszone sowie der DDR-Diktatur erinnern. Es gibt zudem weitere Gedenkstätten, die an Einzelpersonen, insbesondere Politikerinnen und Politiker wie ehemalige Bundeskanzler erinnern.

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